Meilensteine der Medizin

Zwei Tage lang war Weiden internationale Kongressstadt, Spitzenmediziner trafen sich mit Bautechnikern und Krankenhausplanern aus aller Welt. Thema: Wie moderne Krankenhäuser gestaltet werden müssen. Es gab klare Forderungen.

(sbü) 200 Mediziner, Architekten, Techniker und Ingenieure aus fast allen Kontinenten haben zwei Tage lang an der Weidener OTH diskutiert, wie moderne Krankenhäuser gebaut und eingerichtet werden müssen. Eingeladen zum Kongress hatte das OTH-Institut für Medizintechnik und ihr Leiter Professor Dr. Clemens Bulitta. Er zeigte sich sehr zufrieden mit dem Kongress.

Schnell wurde bei den Fachreferaten klar: Die Vorgaben für Einrichtung und Gestaltung von Krankenhäusern müssen aus der Medizin kommen. Sie macht rasante Fortschritte, aber manches Krankenhaus hat Schwierigkeiten, dabei mitzuhalten. "Architektur und Raumprogramm müssen an den medizinischen Prozessen ausgerichtet werden" sagte dazu Burkhard Schlautmann vom Hygiene-Institut Hybeta GmbH.

Narbenlose Chirurgie

Zuvor hatten Spitzenmediziner eindrucksvolle Beispiele für den medizinischen Fortschritt demonstriert. So unter anderem die Professoren Dr. Hubertus Feußner vom Münchner Klinikum rechts der Isar und Chefarzt Dr. Karl-Heinz Dietl vom Klinikum in Weiden. Im chirurgischen Vorgehen gebe es immer mehr Individualisierung, wurde erläutert. Gemeint waren patientenspezifische Lösungen wie zum Beispiel endoskopische Operationen über Mund und Speiseröhre oder andere vorhandene Körperöffnungen. "Multimodulare Therapien" würden zunehmend Anwendung finden. Dabei werde nicht nur operiert, sondern gleichzeitig Chemotherapie und Radiotherapie eingesetzt. Krebs müsse nicht immer herausgeschnitten werden, sondern könne über eine durch die Haut gestochene Nadel mit elektrischem Strom "verbrannt" werden. Gesprochen wurde auch von einer zukünftigen narbenlosen Chirurgie.

Weiter Stichworte für die Medizin der Zukunft waren mechatronische Plattformen/Roboter oder auch intelligente Implantate. Um diese Verfahren einsetzen zu können, bedarf es einer "integrierten OP-Umgebung in der alle Informationen zusammenlaufen". "Hybrid-OP und integrierter OP" heißen die Umgebungen, in denen solche Operationen schon heute oder in naher Zukunft möglich seien. Professor Dietl und Chefarzt Dr. Eberhard Müller vom Klinikum Weiden erläuterte diese Techniken. Parallel erfolge beim Hybrid-OP Operation und Kathedereingriff und die "CT geschieht während der OP".

Beim integrierten OP könne der Chirurg "alle peripheren und zentralen Systeme steuern" also zum Beispiel Röntgenbilder herholen, Operationskamera bedienen, oder den Patienten anders legen. Dass Einrichtung und Einsatz dieser Operationstechniken sehr viel Platz benötigen, wurde den Zuhörern anhand zahlreicher Bilder demonstriert. Dietl appellierte deshalb auch an die Bauingenieure "Bitte machen Sie die OP-Säle sehr groß". Mindest-Flächenmaße dafür wurden bei der Tagung auch genannt, zum Beispiel 40 Quadratmeter für die Herzchirurgie und 70 Quadratmeter für den Hybrid-OP.

Hygiene verbessern

Breiten Raum nahm am Kongress auch die personaleinsatz-optimierende Raumgestaltung und die Krankenhaushygiene ein. Empfehlungen dabei waren zentrale Zugangs-und Versorgungsbereiche für mehrere OP-Räume oder eine "Holding-Area" um für möglichst viele Abteilungen zentral alle Operationsvorbereitung zu treffen. Mit zahlreichen Fotos aus Krankenhäusern wurde gezeigt, dass oftmals im Hygienebereich viele Verbesserungen möglich sind, vor allem um Keime zu verhindern.
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