Metaller im eisenharten Tarifstreit

Die Kreisvorsitzenden übernehmen wichtige Aufgaben beim DGB, betont Regionssekretär Peter Hofmann (rechts), der bei der Jahrespressekonferenz (von links) Klaus Schuster (Tirschenreuth), Bernd Wallner (aus Amberg), Wolfgang Bernd (Amberg-Sulzbach) sowie Anna Forstner (GEW) und Josef Bock (DGB-Neustadt) vorstellte. Bild: Wilck

Und wieder "zwickt's" bei der Tarifrunde mit der Metall- und Elektro-Industrie. "Da fällst vom Glauben ab", betont Horst Ott, der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Amberg, der nun erst mal eine Warnstreikrunde einlegt.

Die Forderung von 5, 5 Prozent Lohnerhöhung sei angemessen, nicht überzogen. "Aber eine schnelle Einigung geht mit unseren Arbeitgebern nicht, anscheinend schon aus prinzipiellen Gründen. Verbesserungen bei der Altersteilzeit und die Weiterbildungsthematik kennen sie nicht. Sie bieten gerade mal 2,2 Prozent und brauchen es offenbar, dass wir uns in unseren Ritualen Warnstreik, Streik, Urabstimmung ergehen. Wenn sie es schon brauchen, dann bekommen sie es", erklärte Ott beim Jahrespressegespräch der Gewerkschaften am Aschermittwoch.

Ein besonders Highlight sei es dabei wohl, dass sich am 23. Februar, wenn bei Siemens gestreikt werde, die Bundeskanzlerin angesagt habe. "Ich habe Frau Merkel schon zum Würstl eingeladen." Der Besuch der Bundeskanzlerin lasse die Hoffnung zu, dass die Arbeitsplätze in Amberg stabil seien. "Man zeigt ihr nicht das Werk und baut dann die Stellen ab." Als "besonderen Warnstreik" kündigte er die Aktion bei Constantia Hueck Folien an, da im Jahr 2015 wichtige Regelungen ausliefen, die neu verhandelt werden müssten.

Wenn Tarifverträge fehlen...

Im Vergleich zur IG Metall (16 000 Mitglieder) ist die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ein exklusiver Club (1240 Mitglieder). Die Probleme, mit denen Vorsitzender Franz Popp zu kämpfen hat, sind dennoch nicht kleiner. Auch er steckt mitten in den Tarifauseinandersetzungen. Zudem hat er die Streiks der konkurrierenden GDL zu verkraften.

In der Verkehrsbranche drohe ein Fülle von verschiedenen Tarifverträgen. Die Tarifeinheit in einem Betrieb sei gefährdet. Die Rechte der kleinen Gewerkschaften würden eingeschränkt. Zwar sollten Gewerkschaften eine Solidargemeinschaft sein. "Doch für die Einzelgewerkschaften wird es immer schwieriger, dies auch zu leben."

Kein Tariftreuegesetz

Die gesamte Branche sei im Wandel. Vom Verlust der S-Bahn Nürnberg seien 450 bis 700 Mitarbeiter betroffen. Der neue Betreiber, der aus England komme, habe keinen Tarifvertrag. "Er soll bei der Ausschreibung um 300 Millionen Euro billiger gewesen sein." Jeder könne jetzt erahnen, wer die Zeche zahle. "Das wird den Mitarbeitern abgeknapst." Möglich wurde dies auch, weil es in Bayern und Thüringen bei der Vergabe von Bahn- und Verkehrsleistungen kein Tariftreuegesetz gebe.

In Bremerhaven entstehe ein neuer Tiefseehafen. Um den Warentransport auf der Schiene (über die Alpen) zu gewährleisten, werde eine dritte Bahnstrecke benötigt. Die Container würden die Strecke Hof/Regensburg nehmen. "Die Elektrifizierung wird deshalb kommen. Wir brauchen aber auch den entsprechenden Lärmschutz, am Bahnkörper, an den Bremsen, an den Waggons." Die Bahnfahrzeuge seien europaweit unterwegs, darum sei ein europäischer Standard nötig. "Sonst laufen die jungen bayerischen Waggons in Portugal und Polen. Und die alten Waggons rollen bei uns."
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