Mieser Rasen, spannendes Derby

Der Freistoßtreffer von Marco Wiedmann (rechts) ließ den FC Amberg jubeln und war ein Stich ins Weidener Herz. Bild: A. Schwarzmeier

Zauberfußball bietet das Bayernliga-Derby nicht. Dazu ist der Rasen viel zu schlecht. Spannend ist das Spitzenspiel zwischen der SpVgg SV Weiden und dem FC Amberg trotzdem. Auch wenn es beim 1:1 keinen Sieger gibt.

Ist es nun ein Vorteil oder ein Nachteil? Weidens Bürgermeister Lothar Höher, 35 Jahre lang Stadionsprecher beim Fußball-Bayernligisten SpVgg SV Weiden brachte es in seiner gewohnt humorvollen Art und Weise auf den Punkt: "Wir hatten schon immer so einen Platz, der uns auch früher pro Saison zehn Zähler oder mehr einbrachte", sagte er nach dem 1:1 (1:0) vor 2100 Zuschauern im Schlager zwischen den Schwarz-Blauen und dem FC Amberg am Samstag. Er stand mit dieser nicht ganz ernsthaft gemeinten Einschätzung alleine da.

Denn sämtliche Protagonisten des Spitzenspiels des 25. Spieltages, in dem Johannes Kohl (45.) und Marco Wiedmann (73.) die Treffer markiert hatten, kritisierten den ramponierten Rasen im Sparda-Bank-Stadion, der kein technisch hochstehendes Spiel zuließ. Es war eine Duplizität der Ereignisse aus dem Vorjahr, als sich die Teams 0:0 getrennt hatten. Auch damals hagelte es von beiden Seiten Kritik am Zustand des Platzes am Wasserwerk.

Rasante Zweikampfszenen, engagierte Trainer, tolle Kulisse:
Das Fußball-Bayernligaderby zwischen der SpVgg SV Weiden
und dem FC Amberg hatte zwar keinen Sieger, aber viele
emotionale Momente.
Bilder: Alfred Schwarzmeier




Vor allem die perfektionistisch veranlagten Trainer Christian Stadler und Timo Rost, die mit schnellem Kurzpass-Spiel zum Erfolg kommen und die Rekordkulisse begeistern wollten, mussten sehr schnell einsehen, dass dies an diesem Tag nicht möglich war. So wurde schon nach 15 Minuten auf beiden Seiten die Taktik umgestellt und mit langen Bällen agiert. Was sicherlich für das Publikum wenig erbauend war. Allerdings bekam dieses ein durchaus rassiges Derby geboten. "Die Kulisse war traumhaft. Das hatten sich beide Vereine verdient", sagte SpVgg SV-Coach Stadler. "Schade, dass der Rasen keine Feinheiten zuließ", so der Weidener Trainer weiter. In die gleiche Kerbe schlug auch Rost: "Es war ein toller Rahmen für das Spitzenspiel. Aber auf diesem Platz war es nicht möglich, unseren Fußball zu spielen."

Nicht nur in diesem Punkt waren sich die Trainer einig, auch in der Analyse des Spielverlaufes stimmten sie überein. Die SpVgg SV hatte in der ersten Halbzeit mehr Anteile, in der der FC Amberg zu passiv auftrat - in der zweiten war es umgekehrt. "Wir hatten die Vilsstädter zunächst gut im Griff, während uns Amberg ab der 55. Minute beherrscht hat", sagte Stadler. "Ich bin mit dem Auftritt meiner Jungs in der zweiten Hälfte absolut zufrieden", ergänzte Rost.

Die Teams waren von Beginn an bemüht, Kontrolle in ihr Spiel zu bringen und keine Fehler zu machen. Chancen und Torraumszenen blieben somit zunächst Mangelware. Bis zur zehnten Minute, als Thomas Schneider geschickt auf Michael Riester durchsteckte, der Weidener Routinier zögerte jedoch zu lange, so dass Oliver Gorgiev ihm das Leder vom Fuß spitzelte. Die dickste Möglichkeit für eine stärker werdende SpVgg SV hatte Thomas Schneider in der 23. Minute: Er hielt aus 18 Metern drauf, seinen Linksschuss konnte Götz gerade noch übers Tor lenken. Kurz vor dem Seitenwechsel dann eine diskussionswürdige Szene, als Dietl vom Weidener Fünf-Meter-Raum aus flach zum schon umjubelten 1:0 für den FC Amberg einschob. Allerdings beging er dabei an Thomas Wildenauer, so sah es Referee Tobias Baumann zumindest, ein Stürmerfoul. Es war eine Szene, die die Amberger Bank in Rage brachte.

Hereingabe verlängert

Für das 1:0 in der Nachspielzeit des ersten Durchgangs sorgte Johannes Kohl, oder vielmehr Alexander Jobst. Nach einem Freistoß von Friedrich Lieder von der linken Seite stieg Weidens Innenverteidiger Kohl am höchsten. Aus sieben Metern zappelte der Ball im linken oberen Eck. "Ich habe meinen Gegenspieler mit in den Ball reingedrückt. Und er hat die Hereingabe mit dem Hinterkopf verlängert", gab Kohl fair zu - das Tor wurde aber aufgrund der Unübersichtlichkeit ihm gut geschrieben.

Im zweiten Durchgang drückte Amberg auf den Ausgleich und wurde schließlich für die Bemühungen belohnt. Allerdings bedurfte es einer weiteren Standardsituation, die zum 1:1 führte. Marco Wiedmann zirkelte in der 73. Minute einen Freistoß aus 22 Metern über die Weidener Mauer. Es war "ein Sonntagsschuss am Samstag", wie FCA-Kapitän Michael Plänitz treffend sagte.

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Bildergalerie im Internet:

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