Miete bleibt, Extras kosten

Johannes Häring. Bild: Götz

Die Max-Reger-Halle ist in seinen Augen ein "Rolls Royce". Der erfordert aber entsprechend Unterhalt. "Die Kalkulation wird sich künftig stärker am marktüblichen Preis orientieren", kündigt Geschäftsführer Johannes Häring deshalb an. Mit Gewinnen ist nach seinen Worten trotzdem nicht zu rechnen.

Weiden. (ps) "Es gibt in ganz Deutschland keine Halle, die Gewinne macht", sagt der Geschäftsführer der neu gegründeten Max-Reger- Halle Congress- und -Event GmbH". Das habe er auch im Stadtrat deutlich gemacht. Sein Ziel deshalb: Das Defizit reduzieren. Durch Mehreinnahmen beispielsweise im Messebereich, erklärt Häring. Das Interview führten die Redakteurinnen Simone Baumgärtner und Jutta Porsche.

Welche Vorteile bringt die neue Wirtschaftsform?

Johannes Häring: Sofort keine. Denn so eine Umwandlung bedeutet nicht automatisch höhere Einnahmen oder Gewinne. Aber sie eröffnet Spielräume für schnellere Entscheidungen. Und das ist mittelfristig sehr hilfreich.

Parallel zur Umwandlung in eine GmbH ist ein Überleitungstarifvertrag für die Mitarbeiter in Kraft getreten. Wie viele sind das derzeit?

Häring: 40, davon sind 30 geringfügig beschäftigt. Der Tarif wirkt sich natürlich auch auf die Kalkulation aus. Denn ich zahle weit über Mindestlohn, und der Einsatz an Feiertagen, nachts oder an Wochenenden ist extrem teuer.

Gleichzeitig sind das genau die Zeiten, zu denen eine Stadthalle besonders gefragt ist.

Häring: Richtig. Die Öffentlichkeit sieht aber nur die publikumswirksamen Termine. Dabei haben wir mehr als 500 Veranstaltungen im Jahr, darunter über 200, die einem Außenstehenden gar nicht bekannt werden, wie Kongresse, Seminare oder Schulungen. Die neue Form der GmbH eröffnet hier mehr Spielraum, Entscheidungen schneller zu treffen: was sinnvoll ist und was nicht.

Ich bin grundsätzlich offen für alles: Aber es darf zumindest nichts kosten, der Personalaufwand muss gedeckt sein - und lieber wär mir noch was obendrauf.

Wie weit reicht Ihre Entscheidungsfreiheit in diesen Fragen?

Häring: Im Aufsichtsrat werden vor allem Finanzplanung, Jahresabschluss und das generelle Konzept diskutiert. Es geht ja schließlich um das Geld der Stadt. Das operative Geschäft ist davon unberührt.

Was ändert sich bei den Preisen?

Häring: Die Dienstleistung in der Max-Reger-Halle ist sehr gut. Das heißt, das kostet etwas. Das gilt auch für Vereine und Schulen. Früher gab es alles für einen Appel und ein Ei. Das wird sich ändern. Wir verlangen zwar nicht mehr Miete als vorher, aber die Extras kosten.

Was heißt das zum Beispiel für Schulaufführungen wie "Das Elly tanzt"?

Häring: Wenn die Bühne bereits fünf Tage vorher benötigt wird, muss ich den Aufbau berechnen, den Einsatz der Techniker. Die Stadt übernimmt ja bei Schulen und Vereinen 50 Prozent der Kosten für Personal und Miete. Ob sie sich die Extras leisten können oder wollen, sollten die Schulen und Vereine letztlich selbst entscheiden. Wir können, wollen und dürfen jedoch nicht den Fehlbetrag einzelner Veranstaltungen tragen.

Veranstaltungen, die nicht kostendeckend sind, fliegen also raus?

Häring: Das entscheiden nicht wir. Wir machen ein Kostenangebot. Die Entscheidung liegt beim Veranstalter. Falls aber die Stadt eine Veranstaltung unbedingt will, obwohl diese unrentabel ist, muss die Stadt eben Geld dazugeben.

Sie sind seit Anfang April im Amt. Welche Veranstaltung hat Ihnen bisher am besten gefallen?

Häring: Das Konzert des Förderkreises für Kammermusik und das Konzert der Internationalen Jungen Orchesterakademie. Ich liebe Klassik-Konzerte, kenne das Bolschoi-Theater und andere Säle in aller Welt. Für mich steht fest: Die Max-Reger-Halle bietet ein wunderschönes Ambiente und sie hat eine Wahnsinns-Akustik.

Heißt das, Sie werden sich im kulturellen Bereich besonders engagieren? Zum Beispiel bei der Organisation der Kulturbühne?

Häring: Da sehe ich mich mehr als Konsument, nicht als Veranstalter. Das sollen Leute machen, die sich auskennen - aus der Bürgerschaft, von Vereinen. Die Kultur ist mit Literaturtagen, LTO und vielem mehr im Raum Weiden gut vertreten. Wir tragen mit günstigen Preisen dazu bei. Die Max-Reger-Halle ist hier primär Plattform.

Welche Schwerpunkte setzen Sie?

Häring: Kongresse und Tagungen sind das Geschäft der Zukunft. Außerdem Messen. Es dauert aber einige Jahre, bis die erfolgreich laufen. Das hat sich auch bei den Brenner Fototagen gezeigt. Die Crux in Weiden: Es gibt zu wenig Hotelzimmer. Wenn ich einen zweitägigen Kongress für 400 Leute ausrichten will und habe nur 328 Zimmer in der Stadt, verteilt auf 10 Hotels und Gasthöfe der unterschiedlichsten Kategorien, ist das ein Problem. Ich kann außerdem nicht zwei Teilnehmer in ein Zimmer legen. Hier sind die Hoteliers gefordert.

Was halten Sie von dem Vorstoß, Max-Reger-Halle, Mehrzweckhalle und womöglich Bürgerfest - alles von einer Hand organisieren zu lassen?

Häring: Grundsätzlich ist das möglich. Aber der Zeitaufwand für die Planungen des Bürgerfestes ist bei mir nicht geringer als beim Eventmanagement der Stadt. Natürlich ist es sinnvoll, Termine abzusprechen, damit wir uns nicht überschneiden, zum Beispiel mit der Mehrzweckhalle. Doch wie gesagt: Der Aufwand bleibt.

Wie fühlen Sie sich in Ihrem neuen Amt?

Häring: Was in der Max-Reger-Halle läuft, läuft an sich schon sehr gut. Dazu kommt: Ich hab' ein supertolles Team, das sich mit Herzblut die Nächte um die Ohren schlägt. Wir diskutieren auch gemeinsam, wo wir künftig hinwollen. In den Bereichen Messen und Kongresse sehen wir jedenfalls gute Zukunftschancen.
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