Milde Folgen für schweren Missbrauch

Nach dem Gesetz handelte es sich um den "schweren sexuellen Missbrauch eines Kindes". Doch weil die Initiative dazu von dem 12-jährigen Mädchen ausging, kam der Angeklagte mit Arbeitsstunden davon.

Wenn er die Zeit zurück drehen könnte, würde er "die Sache" gerne ungeschehen machen, erklärte der Angeklagte (18) vor Gericht. Aber damals habe er nicht über die Konsequenzen nachgedacht. Das Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Richter Otmar Schmid verurteilte den jungen Mann aus dem östlichen Landkreis Neustadt/WN zu 80 Arbeitsstunden.

Im Januar war der gerade 18 Gewordene mit einem zwölfeinhalb Jahre alten Mädchen mit in die Wohnung eines befreundeten Pärchens gegangen. Nachdem das Paar sich zurückgezogen hatte, kam es zum Austausch von Zärtlichkeiten und schließlich zum Geschlechtsverkehr zwischen dem ledigen jungen Mann und der Schülerin.

Richter Schmid hatte diese zur Verhandlung nicht geladen, da sie schon zu Protokoll gegeben hatte, dass die Initiative dazu von ihr ausgegangen und alles einvernehmlich geschehen sei. Eine Freundin des Mädchens berichtete zudem der Polizei, dass die inzwischen 13-Jährige in ihrer sexuellen Entwicklung weit fortgeschritten sei und damit geprahlt habe, dass sie sich bald entjungfern lassen werde.

Angesichts dieser Tatsachen und weil kein psychischer oder physischer Schaden entstanden war, beantragten Staatsanwalt Peter Frischholz und Verteidiger Andreas Schätzler eine milde Strafe in Form von Arbeitsstunden. Richter Schmid stellte fest, dass die Tat im Zusammenhang zu sehen sei und wandte Jugendrecht an. Er betonte aber gleichzeitig, dass dieselbe Tat bei Erwachsenen 2 bis 15 Jahre Freiheitsstrafe zur Folge hätte. Der Strafrahmen sei so hoch, weil das Gesetz unter 14-Jährige unbedingt vor sexuellen Übergriffen schützen wolle, erklärte Frischholz.
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