Milliarden-Spielerei

Alles hängt mit allem zusammen, und alle hängen drin: Am Mittwoch schilderte der mutmaßliche Millionenbetrüger Wolfgang S. vor Gericht seine Sicht. Er bot eine verbale Milliarden-Jonglage, bei der den Zuhörern beinahe schwindelig werden musste.

Am 32. Verhandlungstag hatte der mutmaßliche Millionenbetrüger Wolfgang S. seinen großen Auftritt. Der Mann sitzt inzwischen seit fast einem Jahr in U-Haft. Am Mittwoch gab er vor Gericht eine dreieinhalbstündige Erklärung ab. Zuvor übergab der Mann der 1. Großen Strafkammer ein dickes Geheft. Darin habe er - "was noch nie ein Gefangener gemacht hat", so S. - "rausgesucht, was geschehen, passiert, abgelaufen ist", um zu beweisen, dass er kein Betrüger ist.

Mit utopischen Zinsversprechen soll sich der Angeklagte vor zwei Jahren größere Beträge von gutgläubigen, man kann auch sagen "blauäugigen", Investoren ergaunert haben. Ein Unternehmer aus dem westlichen Landkreis Tirschenreuth hat dem Mann so viel Geld gegeben, dass sein Unternehmen der Insolvenz nahekam. Nur der Verkauf rettete die eigentlich gesunde Firma. Auch andere Gesellschaften und Privatpersonen sahen bislang ihr eingesetztes Geld - teils sechs- und siebenstellige Beträge - nicht wieder.

In seiner Erklärung schilderte der 68-Jährige, wie er mit den Millionen und Milliarden jongliert haben will. Dabei habe er 15 eigene und 12 geliehene Millionen eingesetzt. Landgerichtspräsident Walter Leupold hätte gerne gewusst, wie aus 27 Millionen plötzlich 833 Millionen hätten werden sollen. S. verwies auf die übliche Praxis aller Banken: Bei der Projektierung von Bauaufträgen würden Luftblasen durch "elektronisches Geldverschieben" aufgebaut. "Im Prinzip das gleiche Spiel wie bei Uli Hoeneß", konstatierte S..

Eingeschritten sei er, als er bemerkt habe, dass "nicht mit 800 Millionen Euro meines Geldes, sondern mit 8,5 Milliarden" gearbeitet werde. "Valencia", "Credit Suisse", die "City Bank" in New York, Toronto ("über Toronto läuft jetzt alles!"), die Lehman-Brothers, London - alles sei ineinander vermauschelt. Über Costa Rica wolle er nichts sagen, so S., denn da habe er für ein "Charity-Projekt" gearbeitet, das er jetzt nicht in Verruf bringen wolle. Daraus hätte er 150 Millionen Euro für dieses Projekt bekommen sollen.

Auf Leupolds Frage, was er denn dann davon gehabt hätte, wenn alles der Wohltätigkeit zugute gekommen wäre, gab S. zur Antwort: "Ich brauche das Geld doch nicht." Als er festgenommen worden sei, habe er gerade in Brüssel einen Deal mit Arabern machen wollen, durch den er 150 bis 200 Millionen Profit gemacht hätte. Die 27 Millionen seien nur aus Steuertrickserei-Gründen gänzlich als Darlehen an ihn deklariert worden.

Auch auf die "Verleumdung" durch seinen Freund James Aramanda ging "Millionär" S. ein: Die Amerikaner wollten ihre Posten nicht verlieren und würden deshalb lügen. "In Amerika erfährt man sowieso nie etwas." Der Angeklagte hatte zuvor immer wieder seine persönliche Freundschaft zu Aramanda, Chef eines großen Bankhauses in New York, hervorgehoben. "Nächtelang" habe er mit ihm telefoniert und ihm während der schweren Erkrankung seiner Frau bis zu deren Tod Trost zugesprochen.

Unter anderem, um diese Verbindung zu überprüfen, war die Strafkammer im Dezember nach New York geflogen. Aramanda hatte aber erklärt, S. nicht zu kennen. Seine Frau heiße anders, als der Angeklagte behauptet hatte, und erfreue sich bester Gesundheit. Der Prozess geht am 14. Januar um 9 Uhr weiter.
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