Millionen-Betrugsprozess: Adoptivtochter aus Spanien sagt aus - "Wir haben nie wie reiche Leute ...
Der "papá" ließ sich nicht bremsen

(ca) Am Mittwoch hat die spanische Adoptivtochter des Angeklagten Wolfgang S. im Betrugsprozess vor dem Landgericht Weiden ausgesagt. Die 35-Jährige aus der Nähe von Barcelona entpuppt sich als zierliche rotblonde Verwaltungsangestellte mit Brille. Freundlich, sehr nett. Sie ist Mutter eines neun Monate alten Buben und hat aktuelle Fotos für den Opa dabei. An Beweismitteln kann sie nicht allzu viel beitragen.

"Ich werde für ihn tun, was ich kann", kündigt sie auf Spanisch auf dem Weg in den Gerichtssaal an. Sie und ihre Schwester waren im Grundschulalter von Wolfgang S. adoptiert worden, der mit ihrer Mutter zusammen war. Man lebte sieben Jahre in einem gemeinsamen Haushalt auf dem spanischen Festland. Die 35-Jährige lässt nichts auf den "papá" kommen. Großzügig und großmütig habe er ihr den Besuch einer englischen Privatschule ermöglicht.

Aber ein Millionär? Sie schüttelt den Kopf: "Wir haben nie wie eine reiche Familie gewohnt." Eher im Gegenteil: "Es gab sehr schlechte Zeiten. Manchmal konnten wir die Miete nicht bezahlen." Als die Beziehung zu ihrer Mutter auseinanderging, blieb der Kontakt gut. Regelmäßig flog sie (auf eigene Kosten) zum Adoptivvater nach Palma. Zwischen ihrem 14. und 30. Lebensjahr kamen da gut 50 Besuche zusammen, schätzt sie. 2009/2010 wohnte sie für ein Jahr dauerhaft mit in der Villa von Wolfgang S. und seiner neuen Frau.

Von wegen todkrank

In dieser Zeit bekam sie einiges von seinen Geschäften mit: "Er spricht halt laut, und dann hört man zu, auch wenn man nicht will." Sie übersetzte ihm einige Briefe aus dem Englischen. Es ging immer um das Gleiche: "Man musste etwas zahlen, damit man etwas bekam." Ihr Vater wartete oft dringend auf Anrufe von James Aramanda, CEO von Clearing House New York. "Er wartete auf sein Geld. Es ging um sehr große Beträge." Diesen Aramanda hatte sie auch selbst am Telefon. Eine "nicht sehr tiefe" Stimme, American English. Auch ihr erzählte er - als Pardon für den verspäteten Rückruf - von seiner todkranken Ehefrau. Zur Erinnerung: Der echte Aramanda in New York hat der Strafkammer seine Frau als bei bester Gesundheit beschrieben.

Welche Geschäfte hat der Vater betrieben? "Deutsches Bier nach Mallorca importiert?", fragt Richter Markus Fillinger die Liste ab: "Petroleumgeschäfte mit Kuba? Fahrräder an Fidel Castro? Container mit Rohtabak?" Manches "kommt mir bekannt vor", sagt die Spaniern. Und nach Kuba sei er tatsächlich einige Male gereist. Auch die Pläne für einen Privatflughafen auf Costa Rica kennt sie vage. "Das ist nie realisiert worden."

"Ich hatte immer den Verdacht, dass ihn mit den Zahlungen jemand reinlegen will", sagt sie. Wie auch ihr Stiefbruder aus Madrid, Sohn der jetzigen Ehefrau. Gemeinsam wollten sie Wolfgang S. warnen. "Aber es ist schwer, ihm entgegenzustehen", sagt die Adoptivtochter und hebt hilflos die Schultern. "Er war sich so hundertprozentig sicher, dass mit diesen Menschen alles in Ordnung war."

Hundertprozentig sicher

Hundertprozentig sicher. So sicher, dass er dem Haftrichter Peter Werner im April 2013 "noch im Rausgehen" erzählte, dass das Geld "nächste Woche bestimmt kommt". Anwalt Jörg Jendricke ist das Protokoll von damals zu dürftig: "Fünf Sätze!" Werner: "Das ist das Wesentliche." Unter anderem sagte Wolfgang S.: "Es waren alles legale Geschäfte. Es ist eine Unverschämtheit, dass ich mich jetzt als Betrüger bezeichnen lassen muss."
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