Millionen bleiben aus: Jahresgewinn futsch

Auch der Geschäftsmann aus München glaubte an den großen Gewinn. Er gründete sogar zusammen mit Wolfgang S. eine Gesellschaft und zahlte als Anteil 400 000 Euro ein. Damit ist "der Firmengewinn eines Jahres weg".

Weiden. (rns) Im Prozess gegen Wolfgang S. machte ein Münchener Geschäftsmann am Donnerstag erneut deutlich, wie die Masche des "Mallorca-Betrügers" funktionierte. Der Geschäftsführer einer Firma, die sich mit weltweiten Handels- und Investitionsgeschäften befasst, sagte als Zeuge vor der 1. Großen Strafkammer aus. S. sei ihm von einem Amberger Investmentberater als "hochinteressante Person, die über enorme Geldmittel verfügt", vorgestellt worden. Wolfgang S. befasse sich mit Tabak-, Holz- und Investmentgeschäften. Mit "Wahnsinns-Renditen". Deshalb habe der Amberger eine Beteiligung an diesen Geschäften vorgeschlagen.

Im Gegensatz zu früheren Vorschlägen des Beraters, die allesamt abgelehnt worden seien, habe man die Beziehung zu dem auf Mallorca wohnhaften S. aufgenommen, berichtete der 47-Jährige. S. habe zugesichert, 10 Millionen in die Münchener Firma zu investieren, wenn erst mal seine 60 bis 70 Millionen in den Niederlanden und die halbe Milliarde in anderen Ländern frei seien. Vorab sollten Millionen losgeeist werden, die wegen "Einsprüchen afrikanischer Geschäftsleute" nicht ausgezahlt würden. Zusammen mit dem Angeklagten habe man deshalb im Juli 2012 eine Gesellschaft gegründet. Als Treuhänder sei ein Rechtsanwalt eingesetzt worden, der auch die Aufgabe hatte, den Chef einer internationalen Bank zu überprüfen. Von ihm stammten angeblich die Schreiben, die S. zum Beweis seiner Guthaben vorgelegt hatte.

400 000 Euro habe er, beziehungsweise seine Firma, als einer der beiden Gesellschafter des neuen Unternehmens eingezahlt, erklärte der Zeuge vor Gericht. 1,4 Millionen wären sein Anteil gewesen, wenn die Millionen des Partners gekommen wären. Binnen zwei Wochen hätte das Geld kommen sollen. Aber die Rückzahlung sei "bis dato nicht erfolgt", so der Münchener. Der "Firmengewinn eines Jahres" sei somit "weg".

Aussage verweigert

Der Investmentberater aus Amberg, gegen den nun selbst ein Verfahren wegen Betrugs anhängt, erschien mit einem Rechtsanwalt als Zeugenbeistand. Der 53-Jährige machte aber von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch und musste, samt Anwalt, gleich wieder entlassen werden.

Den Rechtsanwalt aus München kurzfristig zu laden, der als Treuhänder eingesetzt war, gelang Landgerichtspräsident Walter Leupold nicht. Dieser Zeuge wird erst am 8. Januar zur Aussage erscheinen. Zuvor wird die Strafkammer jedoch einige Tage in New York verbringen, wie Leupold bekannt gab. Im 30. Stock des Federal Building werden er sowie die Richter Markus Fillinger und Dr. Marco Heß am 9., 10. und 12. Dezember Agenten des FBI und Manager der "Clearing House Payment Company" vernehmen.
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