Mit dem Bobbycar nach Pilsen

Immer das Ziel anvisiert - konzentriert war diese junge Dame unterwegs.

Dort, wo sonst Busse parken, flitzen am Donnerstag kleine rote Autos: Beim Bobbycar-Rennen in der Halle des Busunternehmens Wies strampeln 80 Kinder aus Deutschland und Tschechien um die Wette. Und verraten nebenbei die wichtigsten Tipps und Tricks.

Es gibt die "Nähmaschine" und das, was man den "Doppel-Turbo" nennen könnte. Der wahre Profi bevorzugt jedoch den "Schwung-Schub". Das ist am schnellsten, doziert Frantisek Svanda, zehn Jahre alt und vielversprechender Plastikauto-Pilot. "Falsch ist es, wenn man ständig mit den Füßen anschiebt", erklärt der Fünftklässler. Also wenn man das Bobbycar mit schnellen Trippelschritten, stakkatoartig wie eine Nähmaschine, vorantreibt. Das bremst zu sehr. Ähnlich wie der doppelte Schub: zuerst mit den Fußspitzen, dann mit den Knien und dann wieder von vorne, so wie das auch manche der Schüler machen. Nein, sagt Frantisek, lieber einmal fest Schwung holen. "Und dann so lange rollen, wie es geht."

Der Junge von der Kostelni-Schule in Tachov ist eines von 80 Kindern, die am Donnerstag mit den verschiedensten Anschub-Techniken durch die Wies-Omnibushalle rutschen. Dritt- bis Fünftklässler aus 20 Partnerschulen - zehn deutsche, zehn tschechische - hat der Förderverein Goldene Straße dazu geladen. Je zwei Partnerschulen treten gemeinsam an. Wie bei einem Staffellauf müssen die achtköpfigen Teams in zwei Durchgängen die 35 Meter lange, von Pylonen abgesteckte Strecke so schnell wie möglich bewältigen. Für alle gibt's am Ende Urkunden. Die Besten bekommen zusätzlich Pokale. Und: Die fünf schnellsten Mannschaften dürfen im April zum Finale nach Pilsen, das dann europäische Kulturhauptstadt ist.

Spielerische Partnerschaft

Die Idee dazu hatte Rainer Christoph, der Vorsitzende des Fördervereins. Er richtet das rasante Spektakel zusammen mit dem tschechischen Förderverein "Lehrer an der Goldenen Straße" und weiteren Unterstützern aus. Es gehe dabei um grenzüberschreitende Partnerschaft, erklärt er. "Wobei es uns immer ein großes Anliegen ist, das Ganze spielerisch zu gestalten."

Und das gelingt. Laute Anfeuerungsrufe in zwei Sprachen bringen die Halle fast zum Wackeln. Aber egal, wie schnell oder langsam die knallroten Gefährte über die Piste rollen, das Gewusel ist einfach: "Schön!" Lukas Hilburger von der Clausnitzerschule ist jedenfalls zufrieden. Und ein wenig geplättet: "Anstrengend", berichtet der Achtjährige, "ich spür's schon in den Beinen."

Schelm am Ziel

Aber ein wenig Schweiß sollte auch sein. Das erklärt jedenfalls Lukas' Mannschaftskollege Frantisek. Frei nach dem olympischen Motto, sagt er, sei es ihm wirklich nicht so wichtig, Erster zu werden. "Mir reicht auch der dritte Platz. Wichtig ist nur, dass wir einen Pokal bekommen." Frantisek muss lachen. Als alle Rennen vorüber sind, hat der bescheidene Schelm sein Ziel tatsächlich erreicht: Die Clausnitzer- und die Kostelni-Schule bekommen einen Pokal samt Starterlaubnis für Pilsen (siehe Kasten).

Die Pokale überreicht die Schirmherrin der beiden Rennen in Weiden und Pilsen, Sabine Märtin, Präsidentin des Lions-Club Goldene Straße. Die Schirmherrschaft über die Vorrunde in Weiden hat zudem Oberbürgemeister Kurt Seggewiß übernommen, der ebenso ein Grußwort spricht wie Busunternehmer und Sponsor Wolfgang Wies.
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