Mit dem Rolli ins Rampenlicht

Die Familie immer im Rücken: Gregor Tomaszczyk sagt Ja zum Leben. Bild: Otto

Seinen Traum vom großen Auftritt, von einem Leben im Rampenlicht hätte ein Pädagoge früh zerplatzen lassen können. Mit acht Jahren wollte Gregor Tomaszczyk beim Schultheater "Schneewittchen und die sieben Zwerge" eine Rolle haben. Die Antwort des Lehrers: "Einen Zwerg im Rollstuhl gibt es nicht." Es gibt eben auch nicht barrierefreie Köpfe. Weil Brett davor.

Andere Kinder mit Behinderung wären nach so einer barschen Abfuhr vielleicht eingeknickt, hätten sich zurückgezogen. Gregor ist seit seiner Geburt körperlich behindert und auf den Rollstuhl oder eine Gehhilfe angewiesen. Aber Aufgeben ist und war keine Option. "Ich bin hin und habe gesagt: Ich kann den ganzen Text besser als alle anderen und darf nicht mitspielen? Das geht nicht." Auch heute noch geht er offensiv mit seinem Handicap um. "Wenn jemand ein Problem mit mir hat, spreche ich ihn an."

Den Runden groß gefeiert

Am Samstag feierte Gregor seinen 30. Geburtstag, mit DJ und Büfett, im barrierefreien Café Frieden. Schicker Kurzhaarschnitt, moderne Brille, ein blaues Poloshirt mit Krokodil und ein verschmitztes Schmunzeln - an Selbstsicherheit hat er nichts eingebüßt. Das liegt auch an seiner Familie, die ihm großen Rückhalt gibt. "Wir sind mit Gregor und seiner Behinderung immer ganz normal umgegangen. Er will auch gar nicht wie ein rohes Ei behandelt werden", sagt seine Schwester Agnes.

Gregor rät anderen Behinderten: "Steht zu dem, wer ihr seid, und versteckt euch nicht", auch wenn er natürlich ebenso die komischen Blicke mancher Menschen kenne. Dieser Lebensmut drückt sich manchmal auch in seiner Experimentierfreudigkeit aus. "Ich probiere viel, weiß aber, wo meine Grenzen sind. Man fällt halt mal hin. So what! Wichtig ist für mich nur, dass ich wieder aufgestanden bin", betont der junge Mann. Die körperliche Power holt er sich bei der Physiotherapie. "Krafttraining und Hand-Bike - das ist für mich der Ausgleich zur Arbeit."

Nie aufzugeben - das prägt sein Leben. Keine Wut, keine Unzufriedenheit, kein Selbstmitleid. Auch wenn es durchaus Dinge gibt, die nicht so laufen, wie er es gerne hätte. Beruflich würde der Hobby-Filmemacher mit der außergewöhnlichen Merkfähigkeit sich eine größere Herausforderung wünschen als den Job, den er aktuell im Heilpädagogischen Zentrum (HPZ) macht. "Ich träume davon, entdeckt zu werden, für die Bühne oder das Fernsehen. Ich bin eine Rampensau."

Und diesen Status lebt das Energiebündel bei dem Film-Projekt "Rollywood" und in einer Theatergruppe mit Behinderten und Nichtbehinderten aus. Das letzte Stück, das die Gruppe auf die Bühne brachte war "Desert Rose". Derzeit macht die Truppe einen Workshop. "Wir lernen viel über Gestik, Mimik und über das richtige Sprechen."

Überhaupt ist der Weidener gerne mit Freunden unterwegs - "Kaffeetrinken, oder so". Oder er geht mit Rainer, dem Freund seiner Schwester, zum Eishockey. Ein Vertrauensverhältnis, das erst wachsen musste. "Ich hatte ja vorher nie mit Behinderung zu tun. Über viele Sachen macht man sich vorher keine Gedanken. Aber er hat mir immer wieder gesagt, was ich machen muss. Heute ist das ganz normal", sagt Rainer.

Was Gregor außer seiner Familie und der Bühne wichtig wäre, ist eine Freundin, "aber nicht irgendeine". Was Frauen angeht hat der 30-Jährige nämlich ganz genaue Vorstellungen. "Erstmal schau ich ihr in die Augen, und auf die Brille", sagt er lachend. Nein, er würde nicht sagen, dass er besonders wählerisch ist. "Sagen wir mal so: Gregor hat einen sehr guten Geschmack", frotzelt Schwager Rainer.

Traumfrau - aber gern

Für seine Traumfrau täte der Weidener so einiges. Als er für einige Zeit in München lebte, hatte er ein Mädchen kennengelernt. "Er ist dann einfach ausgebüxt, alleine in der U-Bahn durch München. Das Handy war aus. Eine schlaflose Nacht für uns", sagt Agnes. Gregor schmunzelt: "Das tut mir natürlich leid. Aber ich bereue nichts." Und das gilt wohl für so ziemlich alles in seinem Leben.
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