Mit "durstigem Wenzel" zu Druden

Rund um Steiningloh führte Norbert Graf von der AOVE seine Gäste und wusste viel Interessantes zu erzählen. Bild: hrs

Zur Begrüßung gab es eine kleine Geschichte vom "durstigen Wenzel", dem erstgeborenen Sohn von Kaiser Karl IV., in dem alle Themen der Wanderung enthalten waren: alte Straßen, Flurbezeichnungen, Hausnamen, bestehende und untergegangene Orte, Essen und Trinken.

Wenzel war böhmischer und deutscher König zugleich und wurde von dem Wittelsbacher Ruprecht quasi wegen Untätigkeit im Reich abgesetzt. Von 1400 bis 1410 war dann Ruprecht König. Dies erfuhren die Teilnehmer an einer AOVE-Sonntagwanderung auf alten Straßen am Blauberg rund um Steiningloh, die der Gästeführer Norbert Graf leitete. Bei angenehmen Wanderwetter trafen sich rund 15 Teilnehmer beim "Schuster" in der Ortschaft.

Brüdern Grimm ebenbürtig

Beim ersten Halt an den Drudenäckern zitierte Graf den Oberpfälzer Volkskundler und Märchensammler Franz Xaver von Schönwerth, der von Gebräuchen und Sagen der Oberpfalz und über das Wesen der Druden berichtete. An der Kühstübe konnten die Teilnehmer ein recht anschauliches Bündel von Altstraßen bewundern, die sich vor Hunderten Jahren nebeneinander in die Flanke des Berges gruben und die noch heute vom damals regen Handelsverkehr in der montanen Oberpfalz eindrucksvoll zeugen.

Am Blechern Martel, einem Kreuz, das die Wanderer zu einem Gebet für die ohne Sterbesakrament ums Leben Gekommenen und im Fegefeuer Schmachtenden bittet, wurden verschiedene Versionen von Mordtaten vorgetragen, die sich um dessen Errichtung ranken. Was sich letztlich dahinter verbirgt, ist bis heute unklar, zumal es sich ja nicht um ein Martel, sondern um einen Bildstock handelt. Weiter entlang am Biestumer Steig, nicht mit dem Wort Bistum zu verwechseln, hatten die Wanderer den höchsten Punkt der Wanderung, den Buchenbühl mit rund 564 Metern, erreicht. Hier trug der Gästeführer einige Sagen zu den Hoymännern vor, den Hütern der Wälder. Auf der Ruh fanden nicht nur die Fuhrwerke des Mittelalters ihre Rast, und auch die Wanderer durften etwas verschnaufen.

Ade der Heimat

Von nun an ging es bergab. An einem weiteren Altstraßenbündel - am Burgeranger - genossen die Teilnehmer bei einem kleinen Picknick den Blick nach Westen bis ins Fränkische hinein. Norbert Graf erzählte noch ein paar Worte zu Steiningloh. Zum Abschluss erinnerte der Gästeführer an der Kleeloh an zahlreiche verschwundenen Orte im Umkreis von nur wenigen Kilometern wie Brühl, Büchsenham, Steindorf, Mutzendorf, Kunried, Saß, Wingersricht, Pukenwinden, Windischhof, Götzlern, Krumbach, Birkenbühl oder Eule.

Er verwies darauf, dass nicht nur Kriege und Seuchen Ursachen dieses Dörfersterbens waren, sondern vor allem wirtschaftliche Faktoren und die Bildung von Monopolen die Menschen zwangen, ihre Heimat aufzugeben.
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