Mit Magie von der Straße geholt

Gelebte Jugendkulturarbeit und Hilfestellung bei wirklichen Problemen: Das "Magische Projekt" mit Vorsitzender Julia Zimmermann (rechts) hat in den letzten vier Jahren vielen Jugendlichen geholfen. Bild: lst

Anfang Dezember 2011: Tom (Name geändert) haut zum dritten Mal binnen kürzester Zeit von zu Hause ab. Der Vater des 17-Jährigen ist alkoholabhängig, schlägt Toms von Depressionen geplagte Mutter und die kleinere Schwester. "Ich habe das nicht mehr ausgehalten", erinnert sich der Hauptschüler.

Weiden. (lst) Er rutscht in kriminelle Kreise ab, kifft, verkauft Gras - alles ist wichtiger als die Schule, die erste Jugendstrafe nur eine Frage der Zeit. Bis er per Zufall über einen Freund Julia Zimmermann kennenlernt. Sie ist Diplom-Sozialpädagogin und engagiert sich ehrenamtlich als Vorsitzende beim "Magischen Projekt" - dort, wo auch Toms Freund Hilfe gefunden hatte.

"Tom war auf dem besten Weg, vollkommen abzudriften. Zugang zu ihm zu finden, war unglaublich schwer. Er fühlte sich allein gelassen, hilflos und ohne Perspektiven", erinnert sich Julia Zimmermann. Noch schlimmer sei es geworden, als Toms Mutter Mitte 2013 an Krebs starb. Der letzte Anker in seiner ohnehin schon zerrütteten Familie sei damit verloren gewesen.

Ein Jahr später

Oktober 2014: Über ein Jahr ist seit dem ersten Zusammentreffen zwischen Tom und der Sozialpädagogin vergangen. Der inzwischen 18-Jährige hat seinen Abschluss gemacht und eine Lehrstelle bekommen. Die Verfehlungen seiner "Jugend" geraten langsam in Vergessenheit. Er weiß, wo er sich Hilfe holen kann, welche Entscheidungen richtig, welche falsch sind. Er ist auf dem besten Weg zu einem geordneten Leben. "Ohne Julias Unterstützung wäre das nie möglich gewesen", sagt Tom.

"Das ist unsere eigentliche Aufgabe", betont Julia Zimmermann. Seit drei Jahren werden im Verein in der Sedanstraße 23 Jugendliche gefördert. Sie werden bei der Entwicklung ihrer Kompetenzen gestärkt. In schwierigen Lebenssituationen wird ihnen Hilfestellungen angeboten - alles in einem Rahmen, der zeitlich weit über die normale Jugendhilfe und Beratungsstellen hinausgeht. Diese könnten diese Arbeit aufgrund der Komplexität der einzelnen Fälle gar nicht leisten.

"Wir sehen im Magischen Projekt die Chance, in Weiden eine gute Jugendarbeit zu machen, die mit Hilfe der Jugendkulturarbeit wie Musik, Tanz, Theater aber auch Sport den Zugang zu den Jugendlichen ermöglicht", erklärt Julia Zimmermann. Dabei ergäbe sich die Chance, dass die jungen Leute von ihren Problemen erzählen. "Dann können wir gemeinsam nach Lösungswegen suchen." Ziel sei es, junge Menschen aus belasteten Familien emotional zu stabilisieren. Das Projekt will als Dreh- und Angelpunkt für die Koordination verschiedener Hilfsangebote fungieren, Unterstützung beim Eintritt in den Arbeitsmarkt geben. Am Ende steht das Miteinander in der Gesellschaft.

So wie bei Tom. "Unsere Angebote aus dem Jugendkulturbereich ermöglichen es, die Ressourcen der Jugendlichen aufzudecken und zu fördern." Der Verein bietet Angebote in den Bereichen Theater, Musik, Kunst, Fotografie, Tanz, die von Fachkräften aus den einzelnen Bereichen begleitet werden.

Gleichzeitig fungieren die Mitarbeiter als Unterstützer im Alltag, bieten Beratung und Krisenintervention. Eine Arbeit, von der aufgrund ihrer Sensibilität nur wenig nach außen dringt. "Wir werden häufig über unsere Theaterstücke, das Entenrennen oder unsere Beteiligung am Filmfest definiert. Das wird logischerweise öffentlich wahrgenommen", weiß die Sozialpädagogin. Aber im Innern passiert viel mehr, da geht es um teils tragische Schicksale von Jugendlichen, denen wir zur Seite stehen."

Lehre fast abgeschlossen

Auch Tom gehörte in diese Kategorie. Wobei er ohne die Unterstützung der Mitarbeiter des "Magischen Projektes" nie so weit gekommen wäre. "Sie waren damals in meiner schlechten Zeit für mich da und sind es jetzt immer noch. Ich fühle mich aufgehoben und akzeptiert", sagt der 18-Jährige, der schon eifrig weitere Zukunftspläne schmiedet. "Mein Chef hat mir schon gesagt, dass er mich nach meiner Lehre übernehmen wird." Vergessen sind die miesen Tage Anfang Mai 2013.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.das-magische-projekt.de/
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