Mit Pinsel und Schnitzmesser

Der Sommer ist vorbei, Planschbecken und Trampolin sind eingemottet. Die Tage werden kürzer, das Wetter ist stürmischer, der Nachwuchs will beschäftigt werden. Höchste Zeit, die Mal- und Bastelsachen hervorzukramen!

"Mein Kind malt nicht gern". - "Werken und Handarbeiten kann heutzutage kein Mensch mehr." - "Den ganzen Tag sitzen die Kinder bloß vor dem Fernseher oder spielen mit ihren Handys rum." - Solche Klagen sind weit verbreitet. Vielleicht bräuchte es aber nur ein paar zeitgemäße Anregungen, um den Nachwuchs vom Bildschirm weg und zum Basteltisch hin zu locken.

Wir stellen brandneue Bücher vor, die genau das können, denn sie bieten kreative Projekte ohne den Mief von vorgestern. So haben auch Kinder des 21. Jahrhunderts noch Spaß am Basteln und Gestalten. Der Nachteil: Jetzt haben Eltern keine Ausrede mehr, wenn sie eigentlich selbst gar nicht malen und basteln mögen. Oder sich vor der Unordnung und dem Schmutz bewahren wollen, die nun mal entstehen, wo mit Holz und Leim, Draht und Stoff, Farben und Papier hantiert wird.

Kunst für Kinder

"Feder, Draht und Pinsel - Ideen und Techniken für Kinderkunst" heißt ein neues Buch, das Kathrin Regelski und Susanne Schwarz im Schweizer Verlag "Haupt" veröffentlicht haben. "Dieses Buch soll Lust zum Malen, Basteln, Drucken und Experimentieren machen", verspricht das Vorwort. Der Prozess sei dabei wichtiger als das Ergebnis, warnt Autorin und Künstlerin Regelski allzu perfektionistische Eltern vor. Vorlagen, Schablonen oder genaue Vorgaben zum Endprodukt hätten jedoch mit Kunst nichts zu tun. "Als Kind ist jeder ein Künstler. Die Schwierigkeit liegt darin, als Erwachsener einer zu bleiben", zitiert die Autorin den großen Pablo Picasso.

Die Projekte im Buch entstehen in so unterschiedlichen Techniken wie Linolschnitt und Frottage, mit Pappmaschee oder aus Holzresten. Es wird getöpfert und geschnitzt, mit Ölkreiden, Aquarell-, Wasser- und Temperafarben gemalt, genäht und aus Draht gebogen. So entstehen zum Beispiel kleine Theaterbühnen aus Papier, aber auch Grafiken oder eine "Mäusewohnung". Wie's geht, wird jeweils mit wenigen Sätzen und ansprechenden Fotografien erklärt.

Arbeiten mit Holz

Die Zwillingsschwestern Antje und Susann Rittermann haben, ebenfalls für den Haupt-Verlag, das Buch "Werkstatt Holz - Techniken und Projekte für Kinder" gestaltet. Damit kommen vor allem handwerklich begabte Kinder auf ihre Kosten. Die Autorinnen wenden sich in leicht verständlicher Sprache direkt an ihre jungen Leser. "Mit Schnitzmesser, Säge, Bohrer, Leim, Schraubzwinge, Hammer und Nägeln hast du das wichtigste Basiswerkzeug schon zusammen", ermuntern sie wohl vor allem die Buben zum Werkeln.

Als Material eigneten sich Holzreste genauso wie Schwemmholz oder herabgefallene Äste. Schnitzen könne man auf jeder Bank und sogar mitten im Wald, man brauche also keineswegs eine Werkstatt.

Die Schwestern erklären genau, welches Material und welches Werkzeug man verwenden sollte. Alle Techniken sind bestens beschrieben: im Text, aber vor allem auch in gezeichneten Schritt-für-Schritt-Anleitungen. So lernen die Kinder schnitzen, sägen, bohren, raspeln, feilen, schleifen, leimen, nageln, schrauben und bildhauern. Ins Buch integriert sind zudem zwölf QR-Codes, die zu kurzen Videos im Internet führen.

Spiele gestalten

Gespielt wird auf der ganzen Welt. Dazu braucht es nicht viel - oft reichen schon ein paar Steine, Stöckchen, ein Stück Schnur. Schneckenhäuser, Bohnen, einfache Kuhlen oder Striche im Sand - Spielsteine und Spielfelder lassen sich mit einfachsten Mitteln gestalten. Schöner ist es natürlich, wenn man mit Filz oder Stoff, Pappe oder Holz, Modelliermasse oder Wolle arbeiten kann. Genau dazu regt die Autorin Eva Hauck in ihrem bei Haupt erschienenen Buch "Carrom, Kreisel, Murmelbrücke - Kinderspiele aus aller Welt zum Selbermachen" an.

Dafür hat sie Spiele von allen Kontinenten zusammengetragen. Vom afrikanischen Murmelspiel "Okwe" bis zum chinesischen Flugdrachen reicht die Palette. Für jeden Geschmack und jedes Alter ist etwas dabei. Neben der Bastel- gibt es natürlich auch eine Spielanleitung. Und ganz nebenbei lernen die jungen Leser auch noch die Welt und fremde Kulturen kennen.
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