Mit Pinzette überführt

Das Stopp-Signal des Zolls übersah das Drogen-Duo an der Grenze zu Tschechien geflissentlich. Eine wilde Verfolgungsjagd und Untersuchungshaft folgten. Nun urteilte das Schöffengericht über den Tischler und die vierfache Mutter.

Trotz mehrfach gegebenen Signals "Stopp! Zoll" hielt das aus Tschechien kommende Auto mit Thüringer Kennzeichen nicht an. Als es schließlich mit zwei Dienstfahrzeugen gelang, es nahe Waldsassen zum Anhalten zu zwingen, sprang noch während des Ausrollens ein Mann heraus und lief querfeldein davon. Ein 38-jähriger Zollbeamter war schneller und konnte den 30-Jährigen nach kurzer Distanz stellen. Die kristalline Substanz, die dieser auf seiner Flucht verschüttet hatte, sammelte der Beamte mit einer Pinzette wieder ein. 15,4 Gramm Methamphetamin kamen zusammen.

Zeuge unter Drogen

Nun verurteilte das Schöffengericht den Ledigen aus Thüringen dafür zu drei Jahren. Seine Freundin, die das Auto gefahren hatte, bekam wegen Beihilfe zur Rauschgifteinfuhr 16 Monate ohne Bewährung. Über ihre Anwälte Peter Tuppat (Jena) und Ulrich Mell (Hildburghausen) gestanden beide Angeklagten die Tat sofort.

Zur "Befriedigung der eigenen Sucht" habe er das Crystal eingekauft, ließ der arbeitslose Tischler verlauten. Die Kellnerin gab zu, gewusst zu haben, wofür man nach Eger gefahren war. Sie habe sich davon 150 Euro Fahrerlohn und eine Kleinmenge des Rauschgifts für ihren eigenen Gebrauch versprochen. Bei einem weiteren Mitfahrer im Pkw waren, auch bei der folgenden Wohnungsdurchsuchung, keine Drogen gefunden worden. Vor Gericht sagte der seit Langem als Konsument bekannte Zeuge jedoch reichlich konfus aus. Auf Frage von Amtsgerichtsdirektor Gerhard Heindl, ob er heute schon etwas genommen habe, antwortete er: "Immer!"

Staatsanwalt Rene Doppelbauer beantragte drei Jahre für den zwölf Mal Vorbestraften wegen illegaler Einfuhr einer nicht geringen Menge Rauschgifts. Die neun Mal vorbestrafte Mutter von vier Kindern sollte 16 Monate bekommen, die "unter Zudrücken beider Augen" noch ein Mal zur Bewährung ausgesetzt werden können. "Unkonkrete Vorschriften des Gesetzgebers" beklagte Rechtsanwalt Tuppat. Woher sollte sein Mandant denn wissen, was eine "nicht geringe Menge" sei? Daher sah Tuppat einen "minder schweren Fall" und beantragte, nur eineinhalb Jahre zu verhängen. Rechtsanwalt Mell plädierte auf sechs Monate, da schon eine Drogentherapie genehmigt sei.

Heindl und die beiden Schöffinnen verurteilten den 30-Jährigen zu drei Jahren und, gemäß der Empfehlung von Landgerichtsarzt Dr. Bruno Rieder, einer Unterbringung in einer Entzugsklinik. Bei der 32-jährigen Frau drückten sie die Augen nicht zu, wie es Doppelbauer getan hätte. Sie verurteilten sie zu 16 Monaten "ohne". Beide Angeklagten hätten die Tat unter laufender Bewährung begangen. Weitere Verfahren gegen sie stünden noch an. Sie hätten eine "Unzahl von Vorstrafen", und die Prognose sei nicht günstig, wie es das Gesetz bei einer Aussetzung zur Bewährung fordere, so Heindl.

Geringe Menge ist definiert

"Unwissenheit schützt vor Strafe nicht", belehrte der Amtsgerichtsdirektor den Thüringer Anwalt. Die Sache mit der "nicht geringen Menge" sei schon lange vom Bundesgerichtshof geklärt und müsse nicht immer wieder aufgewärmt werden.
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