Mit Rap gegen Rassismus

Sie sind zwar ehrenamtlich im Einsatz, doch großangelegte Veranstaltungen erfordern Geld, betont zumindest Nilgün Küpür, die gemeinsam mit Veit Wagner den Weidener Integrationsbeirat bei der Vollversammlung derartiger Gremien auf Landesebene vertreten hat. Bild: Porsche

"Der Integrationsbeirat hat kein eigenes Budget." Das wurmt Nilgün Küpür besonders. In anderen Städten stehen dem Gremium 2500 Euro oder mehr pro Jahr zur Verfügung. Ein Aspekt, der ihr bei der Vollversammlung der "Agaby" im Vergleich mit anderen Städten ins Auge gestochen ist.

Weiden. (ps) "Agaby" steht für die Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns. Zum dritten Mal haben Nilgün Küpür und Veit Wagner als Delegierte bzw. als Vorsitzender des Weidener Integrationsbeirates an der Vollversammlung teilgenommen, die diesmal in Schweinfurt stattfand. Wie immer kamen sie mit einer Reihe neuer Ideen zurück, von denen sie die eine oder andere auch in Weiden umsetzten möchten.

Zum Beispiel "Rappen gegen den Rassismus". Ein Programmpunkt auf der Bamberger Woche gegen Rassismus, der nach Ansicht von Veit Wagner auch in Weiden gut ankäme. Weitere Kostproben gefällig? "Kulturelles Kino mit Köstlichkeiten", eine Fotoausstellung oder Lesungen zum Thema Heimat - alles unter dem Aspekt "gegen den Rassismus". Mit dem Thema "Anti-Diskriminierungs- und Anti-Rassismusarbeit in der Kommune" befassten sich die beiden Weidener außerdem in einem Workshop.

Um die Situation von Ausländern, Migranten und Flüchtlingen weiter zu verbessern, hat die "Agaby" nach ausgiebiger Diskussion vier Resolutionen auf den Weg gebracht: "Durchwegs einstimmig", wie Veit Wagner betont. Gefordert werden:

Mindeststandards bei der Errichtung von Erstaufnahmeeinrichtungen. Dabei sei eine dezentrale Unterbringung den Gemeinschaftsunterkünften vorzuziehen. Neben dem sozialen Beratungsdienst eines freien Trägers - wie er in Weiden beispielsweise von der Diakonie vorgehalten wird - zählt die "Agaby" unter anderem eine zentrale medizinische Anlaufstelle sowie freiwillige Deutsch- und Alltagskurse zu den erforderlichen Mindeststandards.

Abschaffung des Lagerzwangs für geflüchtete Menschen. Der Bayerische Städtetag wird aufgefordert, sich für eine Verbesserung der Wohnsituation von Flüchtlingen mit und ohne Duldung einzusetzen. Die in Bayern geltende Lagerpflicht für Flüchtlinge entspreche nicht den Vorgaben der Bundesgesetze und müsse deshalb sofort außer Kraft gesetzt werden.

Unterstützung der Schulen bei der Integration von Quereinsteigern. "Zugang zur Bildung ist Menschenrecht. Kein Kind darf verloren gehen." Dafür sei ein ausreichendes Angebot von Übergangs- und Sprachlernklassen nötig sowie eine ausreichende Anzahl qualifizierter Lehrkräfte für Deutsch als Zweit- bzw. Fremdsprache.

Nachhaltige Bekämpfung des Rassismus in der Mitte der Gesellschaft. Ein- und zugewanderte Menschen müssen als selbstverständlicher und gleichberechtigter Teil der Gesellschaft wahrgenommen werden. Um Rechtsradikalen Einhalt zu gebieten, sei ein couragiertes Bekenntnis zu Vielfalt, Toleranz und Gleichbehandlung der Religionen notwendig. Angestrebt wird auch die Einführung des kommunalen Wahlrechts für Drittstaatsangehörige. Veit Wagner: "Manche Ausländer leben schon seit 40 oder 50 Jahren bei uns und dürften trotzdem nicht wählen."

In einem Schreiben an Ministerpräsident Horst Seehofer fordern die Mitglieder der "Agaby" außerdem die rechtliche Verankerung der Arbeitsgemeinschaft auf Landesebene sowie die - noch zur Amtszeit von Sozialministerin Christa Stewens zugesicherte - dauerhafte Förderung, die bis dato nicht umgesetzt sei. "Zur Unterstützung dieses Anliegens werden wir noch Unterschriften sammeln", kündigte Wagner an.

Zurück zum Finanzproblem des Weidener Integrationsbeirats: Ganz mittellos steht er nicht da. Aber: Er hat kein eigenes Budget, muss sich jeden Euro bewilligen lassen. 1000 Euro stehen nach Angaben von Veit Wagner für ein Fest im kommenden Herbst zur Verfügung. In Absprache mit dem Integrationsbeauftragten der Stadt, Thomas Hentschel, soll damit eine Neuauflage des Tages der Begegnung finanziert werden, zu dem 2014 Interessierte aus allen Nationen in die Max-Reger-Halle eingeladen waren. (Hintergrund)
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