Mit vielen das Sterben gelebt

Ilse und Heribert Stock (Vierte und Fünfter von links) haben den Ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienst Weiden-Neustadt/WN auf- und ausgebaut. Dafür galt ihnen bei der Abschiedsfeier Dank von allen Seiten: (von links) OB Kurt Seggewiß, Nachfolger Rüdiger Erling, Festredner Dirk Bluemke, Ilse und Heribert Stock, Carmencita Hartwig (Bayerischer Hospiz- und Palliativverband), Pfarrer Josef Bock, Baronin Adelheid von Gemmingen-Hornberg (Diözesanoberin Malteser Hilfsdienst Regensburg) und Regionaldekan

Kanufahren ist ihr Hobby. Doch in den vergangenen 19 Jahren haben sie in erster Linie alle Menschen und Institutionen ins Boot geholt, die für die Hospiz- und Palliativbewegung in der Region wichtig sind. Jetzt legen Ilse und Heribert Stock das Ruder beim Hospizdienst aus der Hand.

Weiden. (ps) Nein, 19 Jahre reichen nicht. Die Initialzündung für die Hospizidee reicht bei Heribert Stock weiter zurück, erinnerte er sich in seinen Dankesworten bei der Abschiedsfeier am Donnerstagabend im Pfarrheim St. Marien. Der damalige Regionaldekan Johann Meyer hatte ihm diese Idee vor 25 Jahren erstmals nahegebracht. Der Dekan hatte seinen Plan für ein stationäres Hospiz in den Räumen der Mallersdorfer Schwestern - des heutigen Kunstbaues - damals auf Eis gelegt, weil die Zeit dafür noch nicht reif gewesen sei. 1994 habe der schwerkranke Regionaldekan ihm dann den Aufbau eines Hospizes als Vermächtnis ans Herz gelegt.

Nach einem Informationsabend über Hospizarbeit im Mai 1996 im Pfarrheim Herz Jesu packte Heribert Stock dann an. Und mit ihm seine Frau Ilse, die sich nicht weniger stark für die Hospizbewegung engagiert. "Sie haben mit vielen Menschen das Sterben gelebt." Das bescheinigte Baronin Adelheid von Gemmingen-Hornberg, Diözesanoberin des Malteser Hilfsdienstes Regensburg, dem Ehepaar, das den Ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienst Weiden-Neustadt/WN seit 1999 unter dem Dach der Malteser aufgebaut und kontinuierlich ausgebaut hat.

"Wie eine Mutter getröstet"

Ilse Stock habe "wie eine Mutter getröstet, zugehört und geweint", sagte die Baronin. "Und Sie haben sich alles Fachliche angelernt für einen professionellen Dienst", attestierte sie der ausgebildeten Koordinationsfachkraft. Ziel der Hospizbewegung sei es, "Sterben an der Hand eines anderen und nicht durch die Hand eines anderen" zu ermöglichen. Genau das hätten die Eheleute Stock getan. Heribert Stock werde dabei als "Türöffner und Menschenfischer in die Geschichte eingehen". Seine Hartnäckigkeit sei der Schlüssel zum Erfolg. "Wer Ihre Anliegen nicht teilt, wird so lange bearbeitet, bis er es tut." Auf diese Weise habe er die örtliche Hospizbewegung vorangebracht. Deshalb gebe es eine Palliativstation - und: "2016 werden wir ein stationäres Hospiz in Neustadt eröffnen." Mit minutenlangem Applaus ehrten die Gäste aus Politik, Kirche und sozialen Einrichtungen den so hochgelobten Einsatz des Ehepaares Stock.

"Durch Sie finden Menschen die Hilfe, die sie brauchen und so viel Lebensqualität wie möglich bis zum Lebensende." Dieses Kompliment machte Oberbürgermeister Kurt Seggewiß, auch im Namen von Bezirkstagsvizepräsident und Bürgermeister Lothar Höher, dem Ehepaar Stock und zugleich allen Mitarbeitern der Palliativberatungsstelle.

Ilse und Heribert Stock gehörten zu den Pionieren der Hospizbewegung in der Region. Dafür dankte Carmencita Hartwig als stellvertretende Vorsitzende namens des Bayerischen Hospiz- und Palliativverbandes. "Sterbende möchten, dass wir den Schrecken der Dunkelheit mit ihnen teilen", zitierte sie Sheila Cassidy. Ilse und Heribert Stock hätten das in die Tat umgesetzt.

Keine Lobrede, sondern den Fokus auf die Hospizidee richten. Das hatten sich die Eheleute von Dirk Bluemke gewünscht. Der Leiter der Fachstelle Hospizarbeit beim Malteser-Hilfsdienst war eigens aus Köln angereist, um die Festrede zu halten. Erst in den 1980er Jahren habe die Hospizbewegung in Deutschland einen Aufschwung erlebt, erinnerte er. Damals habe am Sterbebett häufig Sprachlosigkeit geherrscht. Dabei gelte: "Sterbende sind Lebende und brauchen Zuwendung."

Sterben ist Teil des Lebens

Bluemke sprach sich klar gegen den "assistierten Selbstmord" aus. "Es darf auch keine stille Duldung geben, auch keine Beihilfe durch Ärzte." Was viele noch heute nicht wüssten: "Kein Mensch muss künstlich verlängert an Maschinen sterben." Das könne eine Patientenverfügung verhindern. Die moderne Medizin sei sehr gut in der Lage, Schmerzen zu unterdrücken. Sein Wunsch für die Zukunft: dass Sterben, Tod und Trauer wieder als Teil des Lebens akzeptiert werden. Denn: "Wenn es uns gelingt, Sterben und Trauer wieder in der Gesellschaft zu verankern, brauchen wir keinen Hospizdienst mehr."

Doch aktuell ist er noch dringend nötig. "Hospizdienst ist ein Ehrenamt, das in seiner Wichtigkeit nicht überschätzt werden kann", betonte Pfarrer Josef Bock. Er hob den Einsatz der Eheleute Stock für diese Einrichtung namens des evangelischen Dekanats ebenso hervor wie sein katholischer Amtskollege Regionaldekan Gerhard Pausch.

Ilse und Heribert ziehen sich aus dem Dienst zurück. Sie wollen sich jetzt verstärkt ihren Hobbys widmen, verriet Heribert Stock dem "Neuen Tag": der Imkerei, dem Wandern auf dem Jakobsweg und nicht zuletzt dem Kanufahren.
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