Mitarbeiter fit, Firma gesund

Zwei Wirtschaftsverteter und zwei OTH-Professoren gaben zahlreiche Empfehlungen zur betrieblichen Gesundheitspolitik: (von links) Dr. Christoph Löschmann und Bertold Müller sowie Professor Dr. med. Clemens Bulitta und Prof. Dr. Frank Schäfer von der OTH Amberg-Weiden. Bild: sbü

Betriebe investieren in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter: Das ist fast schon die Norm. Trotzdem steigen die Fehlzeiten schon mal. Diagnose: Fehler im Gesundheitsmanagement. Wie Gesundheitsleistungen für Beschäftigte erfolgreich eingesetzt werden können, zeigte eine Infoveranstaltung an der OTH.

(sbü) Gesundheitsleistungen für Mitarbeiter sollten nicht nach dem Gießkannenprinzip verteilt, sondern gezielt eingesetzt werden. Deshalb müsse jedem betrieblichen Maßnahmekatalog erst eine genaue Gefährdungsanalyse vorangestellt werden. Und die Medizintechnik entwickelt dafür zunehmend individuell ausgerichtete Hilfestellungen. Dies waren die Kernbotschaften des Informationsabends an der OTH in Weiden zum Thema "Gesundheit der Mitarbeiter - die Herausforderung im Unternehmen".

Nach der Einführung zum Thema durch OTH-Professor Dr. Frank Schäfer erörterten zwei Experten des Dienstleistungs-und Beratungsunternehmens "Pre.Di.Ma." aus Offenburg, wie ein betriebliches Gesundheitsmanagement möglichst effektiv gestaltet werden könnte. Dieses Modell kommt seit Jahren bei namhaften Unternehmen in der Schweiz zum Einsatz. Berthold Müller von "Pre.Di.Ma." erläuterte die wesentlichen Grundelemente eines wirksamen Maßnahmenpakets betrieblicher Gesundheitsleistungen: "Risikofälle müssen identifiziert, gefährdete Mitarbeiter unterstützt und drohende Schäden verhindert werden."

Ursachen aufdecken

Seine Gefährdungsanalyse beginnt mit einem freiwillig von den Mitarbeitern auszufüllenden detaillierten Fragebogen. Damit will er "individuelle Faktoren, strukturelle Faktoren und akute Gefährdungen" identifizieren, um die gesundheitsbedingten Ursachen für Fehlzeiten oder Minderleistungen der Mitarbeiter systematisch aufzudecken. Müller rechnet den Betrieben auch die Kosten vor, die Ausfallzeiten, eingeschränkte Arbeitsfähigkeit oder vorzeitige Verrentungen auslösen. In seinem Fallbeispiel einer großen Schweizer Bank kam er auf 17,9 Prozent aller betrieblichen Kosten. Und nur ein extrem kleiner Teil der Zusatzkosten entfalle auf Krankschreibungen. Dagegen "95 Prozent auf Leistungsminderung der Mitarbeiter".

Um dies zu verhindern, empfahl in einem weiteren Vortrag Dr. Christoph Löschmann (Pre.Di.Ma.) "nach der systematischen Identifikation des Gefährdungspotentials ein Maßnahmenkonzept mit Steuerung und Case-Management sowie Effektivitätsmessungen über einen längeren Zeitraum hinweg". Für Mitarbeiter bietet der gelernte Psychologe und Psychiater "individuelle Feedbacks einschließlich Telefon-Coaching", für Betriebe die "Arbeitgeberauswertung der Analysen sowie Maßnahmevorschläge". Rund 600 Details würden in die Analyse einfließen. Außerdem gebe es "Risikoampeln grün, gelb oder rot zu den einzelnen Gefährdungsfaktoren".

Die Vorschläge zielen vor allem auf die Veränderung struktureller Faktoren ab. Hier könnten sich zum Beispiel Führungskräfteseminare anbieten. Auch die Betriebsorganisation oder die Personalentwicklung könnten auf der Empfehlungsliste stehen. Die individuell ausgerichteten Empfehlungen für Mitarbeiter betreffen Prävention und bei akuter Gefährdung auch Behandlung.

"Social-Freezing"

Professor Dr. Clemens Bulitta nannte Beispiele aus der Medizintechnik, die den Arbeitnehmern ihren Arbeitsalltag erleichtern können. Weil Diabetes so stark zunehme, stellte er ein "interaktives Insulinpumpensysem" vor. Auch Schrittzähler als Bewegungsanreiz sprach er an. Skeptisch beurteilte Bulitta das "Social-Freezing von Eizellen", um Mitarbeiterinnen am Arbeitsplatz zu halten. Und er wies auch auf natürliche Alterungsprozesse als Ursache für Minderleistung hin.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2014 (9309)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.