Mitreden erwünscht

Wie stellen sich die Katholiken die Zukunft ihrer Kirche vor? Papst Franziskus lässt den Christen Raum, um in Glaubensfragen mitzureden. Bis Oktober 2015 ist dazu Zeit.

Rothenstadt. (rdo) Ein 12-monatiger Gesprächsprozess soll bis dahin der Bischofssynode Diskussionsstoff liefern, für die Gestaltung der religiösen Zukunft, ohne Dogmen und Rhythmen, wobei der Mensch im Mittelpunkt steht. "Für den Papst ist es wichtig, nicht alleine zu entscheiden", erläuterte Pater Alfred Linder von den Salisianern Don Bosco aus dem Kloster Ensdorf in einem Vortrag über Papst Franziskus in Rothenstadt. Er nannte ihn auch den Mann des Jahres 2014, nachdem ihm ein Jahr zuvor dieser Titel von einer amerikanischen Zeitschrift verliehen worden war, weil er außerhalb der Kirche Zeichen setze.

Papst geht neue Wege

Erich Hammer vom Sachausschuss katholischer Erwachsenenbildung begrüßte die Gäste im katholischen Pfarrheim, darunter auch Pfarrer Heribert Englhard und Pfarrer Franz Winklmann. Jorge Mario Bergoglio, der ehemalige Erzbischof von Buenos Aires, steht als Papst Franziskus und erster Lateinamerikaner seit 13. März 2013 als Oberhirte an der Spitze der römisch-katholischen Kirche. Der Papst ist Jesuit und Organisator, der einen Beraterkreis aus acht Kardinälen, darunter für Europa Kardinal Marx, um sich schart.

Als "erste Revolution" bezeichnete der Salisianer-Pater den Rücktritt von Papst Benedikt XVI., den ersten seit 700 Jahren, der von Skandalen im Vatikan herrührte. Er habe den Weg für seinen Nachfolger freigemacht. Die "zweite Revolution" sei die Wahl der Papstwohnung im Gästehaus und nicht im Vatikan, um näher an den Menschen zu sein.

Keiner seiner Vorgänger habe es gewagt, den Namen Franziskus des Heiligen Franz von Assisi zu wählen. Auch er habe die damalige Welt verändern wollen und freiwillig in Armut gelebt. Als sein "Regierungsprogramm" habe der neue Papst 2013 das 150-seitige apostolische Schreiben "Evangelii Gaudium" verfasst, in dem er sich immer wieder auf Zitate aus vergangenen Bischofskonferenzen berief. Laut Pater Lindner möchte er den Zielen des Zweiten Vatikanischen Konzils so nahe wie möglich kommen.

Franziskus versuche auch den Geschiedenen und Homosexuellen den Weg in die Kirche zu ermöglichen. Der Salisianer-Pater erinnerte an die friedliche Revolution der Montags-Gottesdienste von Leipzig, die letztlich mit zum Mauerfall führten. Ebenso könnten die katholischen Christen nun eine Revolution von unten mitgestalten, die es ermögliche, sich in die Kirche einzumischen für eine gemeinsame Zukunft.
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