Moderne Agrarlandschaft macht Tieren das Leben schwer - Jäger tagen in Weiden
Deckung fürs Niederwild

Der Feldahorn böte dem Niederwild idealen Schutz. Zum Landesjägertag in Weiden pflanzten (von links) Moritz zu Oettingen-Wallerstein, Verbandschef Jürgen Vocke, Weidens Oberbürgermeister Kurt Seggewiß, der Neustädter Landrat Andreas Meier und Jäger-Kreisvorsitzender Alfons Ermer einen solchen Baum, auch bekannt als Heckenahorn. Bild: Götz
(räd) Wie Karnickel vermehren sie sich schon lange nicht mehr - die Hasen. Während die Population bei Hasen, wie überhaupt beim Niederwild, in den vergangenen Jahren dramatisch gesunken ist, vermehren sich Wildschweine immer mehr. Nur zwei der Themen, mit denen sich rund 600 Delegierte des Bayerischen Jagdverbandes seit Freitag beim Landesjägertag in Weiden beschäftigen.

Zum Auftakt der Veranstaltung sagte Präsident Jürgen Vocke, in vielen Bereichen würden Fasane, Rebhühner und Hasen überhaupt nicht mehr gejagt. Stattdessen nehmen die Waidmänner die Feinde dieser Tiere ins Visier, zum Beispiel Füchse. Nach einer vom Verband vorgelegten Statistik ist die Zahl der Hasen von 110 000 Tieren im Jahr 1990 auf weniger als 60 000 im Jahr 2013 gesunken.

Der Grund: In der modernen Agrarlandschaft sei oft kein Platz mehr für Wildtiere. Hecken, Feldraine, Grabenböschungen, Graswege oder Unterschlüpfe für Tiere fehlten. "Hasen leiden unter großflächigen Monokulturen", erklärte Vocke. Kräuter, wie Salbei, Kümmel oder Pfefferminze, seien für Wildtiere überlebenswichtig. "Aber das ist alles weggespritzt. Für die Tiere ist das eine Katastrophe." Vocke wünschte sich vor diesem Hintergrund eine engere Zusammenarbeit mit Landwirten. Sie könnten weniger ertragreiche Flächen als Grünland zur Verfügung stellen. Wenn Bauern die EU-Agrarförderung in Anspruch nehmen, müssen sie unter bestimmten Umständen fünf Prozent der Ackerfläche für ökologische Maßnahmen zur Verfügung stellen. "Das Greening macht Hoffnung", sagte Vocke.

Bilder: Gerhard Götz





Trotz kontroverser Diskussionen um den Einsatz von Nachtzielgeräten bei der Wildschweinjagd lehnt der Verband eine flächendeckende Freigabe dieser Geräte ab. "Dies widerspricht den Grundsätzen der Waidgerechtigkeit und des Tierschutzes", hieß es. Vocke verlangt Rechtssicherheit. Denn bislang sei der Besitz von Nachtzielgeräten durch das Bundeswaffengesetz untersagt. Zudem könnten Jäger mit Bußgeldern belegt werden, falls sie ein Nachtzielgerät zur Jagd einsetzen.

Vocke fordert deshalb: "Ausnahmen müssen exakt definiert werden, sonst kann ich nicht zustimmen." Eine Forderung, die Vocke an Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) richtet. Dieser wird am heutigen Samstagnachmittag in der Max-Reger-Halle zu den Jägern sprechen.
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