Mollers Bekenntnis zur Heimat
Leute

Hin und wieder schneidert Andreas Moller auch für Damen, wie hier im Bild ein Kleid aus Anzugstoff. Das kann er auch: Vor der Münchner Modeschule und seiner Zeit in London lernte Moller Damenschneider auf der Allee. Für die Zeitschrift "Freundin" gab er jetzt ein Bekenntnis zu seiner Heimatstadt Weiden ab. Bild: Götz
Weiden. (ca) "In Weiden sieht man selten einen Mann in einem Anzug laufen", sagt Andreas Moller . Und wenn, "dann sitzt er meistens schlecht". Der Herrenschneider sagt das ohne Groll, ohne abschätzigen Unterton. Es ist eben einfach so. Seine Kundschaft sitzt eher in den Metropolen. "Die Leute in den Großstädten sind mutiger, geben mehr Geld für Kleidung aus. Bei uns zählt eher das Haus oder das Auto."

Und trotzdem ist Andreas Moller hierher zurückgekehrt. Aus London, wo er bei Vivienne Westwood und Ozwald Boateng seinen Feinschliff bekam, nach Weiden, wo schon der Urgroßvater als Schneider gearbeitet hat. Warum - das erklärt der 43-Jährige in der aktuellen "Freundin". Er ist Teil der Serie "Willkommen zu Hause - Menschen erzählen, warum sie jetzt wieder am Ort ihrer Kindheit leben". Moller im Artikel: "Heimat ist für mich: Ich selbst sein zu können."

"Diese kleine Stadt ist meine Basis, hier sind meine Familie, meine Partnerin, Leute, die ich seit der Kindheit kenne. Auch den oberpfälzischen Dialekt liebe ich." London habe er vor acht Jahren wegen der absurd teuren Mieten verlassen. "Da musste ich gar nicht lange überlegen, wohin die Reise geht." Und weiter: "Hier kann ich das machen , was ich immer wollte: Maßanzüge unter meinem Namen, mit meinem Qualitätsanspruch." Inzwischen kommen Leute aus ganz Deutschland in sein Atelier in der Moosfurtsiedlung. "Darauf bin ich sehr stolz."

Klingt alles sehr schön, ganz so einfach ist es nicht, wie Moller im NT-Gespräch einräumt. Ob Weiden ein Standortnachteil ist? "Ganz ehrlich: eigentlich schon." Er habe die Rückkehr nach Weiden nicht bereut: "Ich mache das seit acht Jahren. Ich kann mich nicht beschweren. Aber in einer Metropole wäre ich vielleicht schon weiter." Das geht bei den Kunden an, die weite Anreisen in Kauf nehmen. Und hört bei den Mitarbeitern auf, die es in der Region nicht im Überfluss gibt. Moller bildet inzwischen aus, aber nicht selten zieht es die Gesellen nach der Lehre hinaus. Etwa nach London.

Inzwischen denkt Moller über Außenstellen in der Großstadt nach. Vor einiger Zeit war er in einem Münchner Laden vertreten: "Das hat uns stark weitergebracht." In der Landeshauptstadt schlenderte "mal ein Schauspieler vorbei, mal einer vom Theater". Ein Autor des Playboy stand auf der Matte und verfasste eine Doppelseite über den perfekten Anzug: "Hier klärt Maßschneider Andreas Moller, einer der besten Deutschen seiner Zunft, die Details."

Solche Zitate gibt er nicht selbst wieder, man muss sie nachlesen. Moller ist der nette Typ von nebenan geblieben. Und kann seiner Heimatstadt immer auch viel Positives abgewinnen. "Hier kann ich mich auf meine Arbeit konzentrieren." Und: "Wenn ich's in Weiden schaffe, dann funktioniert's woanders erst recht. Es ist eine Stärke daraus geworden."
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2014 (9309)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.