Müll: Ausschuss diskutiert "Fehleinwürfe"
Der Abfall vom Abfall

Das Ziel ist nobel: Für ein sauberes Weiden. Allerdings kennen noch nicht alle Bürger den Weg dahin. Das zeigen Zahlen, wonach vor allem im Gelben Sack viel landet, das da nicht hineingehört. Deshalb diskutierte der Umweltausschuss noch einmal über das Thema. Bild: Götz
Es geht zwar nur um ein paar dürre Zahlen. Die aber fördern im Umweltausschuss einiges zutage. Über eine Stadträtin etwa, die sich die Finger schmutzig macht - im Dienste der Allgemeinheit. Oder über einen Kollegen aus dem Gremium, der auch mal Sünder zurechtweist. Kurz: Es geht um Müll.

Verursacher ist die CSU. Ihre Vertreter hätten mehrfach Bürger ertappt, die an Containerstandplätzen "artfremde Abfälle" entsorgt haben. Hans Blum etwa hat "selber schon beobachtet, dass jemand einen Reifen in den Grüngutcontainer geworfen hat". Er habe ihn dann auf das Fehlverhalten hingewiesen, berichtet der Stadtrat. Trotzdem sei das Anlass genug, einmal das Ausmaß solcher "Fehleinwürfe" in Weiden insgesamt zu erfragen - und die Kosten, die der Stadt damit entstehen.

Wobei eine Antwort gar nicht so einfach ist. Denn die Verwaltung erkundigte sich zwar beim Bauhof und den Entsorgungsunternehmen. Die haben aber teils gar keine Zahlen, bei Altglas zum Beispiel. Oder aber die Angaben schwanken stark. Wie beim Gelben Sack, der jährlich eine Sammelmenge von 1274 Tonnen ausmacht. Hier gibt es je nach Quelle zwischen 153 und 319 Tonnen an Müll, der nicht in die Tüten gehört. Das wären bis zu 25 Prozent. Deutlich niedriger sind da die "Fehleinwürfe" beim Altpapier (1 Prozent) oder beim Restmüll (3 bis 4 Prozent; vor allem mineralische Abfälle wie Bauschutt).

Viel Unkenntnis?

Diese Müll-Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen. Aber es gibt ja daneben auch noch die gefühlte Wahrheit, wobei beim Thema Abfall jeder seine Erfahrungen hat. Im Ausschuss ist das nicht anders. OB Kurt Seggewiß zum Beispiel sagt, ihm sei mal beim Müll-Zweckverband erzählt worden, der Weidener Abfall brenne besonders gut. Wegen zu lascher Trennung?

Vielleicht liegt's aber auch weniger an Bequemlichkeit als an Unwissen. Philipp Beyer (Bürgerliste) berichtet jedenfalls von Zugezogenen, die bei ihm im Haus wohnten, und keine Ahnung hatten, wie sie in Weiden den Müll trennen sollen. Das deckt sich mit den Erfahrungen von Gabriele Laurich (SPD). Bei ihr habe mal ein Studentin gelebt, die das System auch nicht kannte. Also musste Laurich selbst zur Tat schreiten und den Müll nachsortieren.

Dabei geht es schließlich nicht nur um Umweltschutz, sondern auch um Kosten für die Allgemeinheit. So macht laut Verwaltungsbericht etwa die Entsorgung von "Fremdmaterial" im Gelben Sack in Weiden pro Jahr rund 32 000 Euro aus. Geld, das die Bürger indirekt über höhere Aufschläge für Verpackungen an der Supermarktkasse wieder selbst berappen müssen. Was also tun? Akuten Handlungsbedarf sieht die CSU keinen. Denn so hoch seien die Zahlen auch wieder nicht, sagt Blum. Wichtig sei ja, einmal darüber öffentlich zu diskutieren, um die Bürger für das Thema zu sensibilisieren.

Die Anregung, Neu-Weidener darüber hinaus auch besser über die lokalen Entsorgungsmodalitäten zu informieren, stößt dagegen nicht überall auf Gegenliebe. Weil die Stadt genau das schon mache, so Rechtsdezernent Hermann Hubmann: Anders als behauptet, gebe es für Zugezogene immer noch eine Begrüßungsmappe und damit die Möglichkeit, sich schlau zu machen. Überhaupt, pflichtet Seggewiß bei, "beim Bürger besteht auch Holschuld". Die Stadt biete eh einige Infos: "Was sollen wir denn noch machen?"
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