Nach 46 Prozesstagen in neun Monaten - Verfahren gegen Mittäter beginnt im Herbst
Heute fällt Urteil im "Mammutprozess"

(ca) Neun Monate liegen hinter der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts. Ein Strafprozess, dessen Kosten sich auf über eine halbe Million Euro summieren. Am morgigen Freitag, dem 47. Verhandlungstag, treten die Richter unter Vorsitz von Landgerichtspräsident Walter Leupold ab 9 Uhr ein letztes Mal zusammen, um das Urteil über Wolfgang S. (68) aus Mallorca, angeklagt des Millionenbetrugs, zu beraten. Um 10.30 Uhr will Leupold im Schwurgerichtssaal das Strafmaß und eine ausführliche Begründung verkünden.

Der Strafkammer gehören mit Annett Kamm und Sabine Müller sowie Ersatzschöffin Anita Gallersdörfer auch drei ehrenamtliche Richterinnen an. Sie hätten nie und nimmer gedacht, dass aus dem ursprünglich bis November terminierten Verfahren ein "Mammut-Prozess" bis April werden würde. Es handelt sich damit um den seit 15 Jahren längsten Strafprozess in Weiden. Nur ein Missbrauchsprozess mit 53 Verhandlungstagen 1999/2000 war noch zeitraubender, weil die Verteidiger das Verfahren damals extrem in die Länge zogen.

Auch die Anwälte im Prozess gegen Wolfgang S. bemühten an den letzten beiden Verhandlungstagen noch einmal alle Register. Sie stießen sich unter anderem am psychiatrischen Gutachten, das Wolfgang S. eine "Pseudologia Phantastica" attestiert hatte: "krankhaftes Lügen" bei voller Schuldfähigkeit. Anwalt Jörg Jendricke zweifelte die Expertise an sich an: Die Gutachter hätten die Akten gar nicht gelesen. Verteidiger Miek schloss sich dagegen der Ansicht der Psychologin an: Sie hatte gesagt, dass sich eine Pseudologie derart auswachsen könne, dass der Betroffene seine erfundene Geschichte verinnerliche und am Ende fest glaube.

Für allgemeines Erstaunen sorgte am Mittwoch der Bericht der Anwälte, dass weiterhin Geldgeber in die Freiwerdung des "Vermögens" von Wolfgang S. investieren. 35 000 Euro in bar überbrachten im Februar treue Investoren - darunter ein Pädagoge aus Sulzbach-Rosenberg - an einen angeblichen Bankmitarbeiter in einem Brüsseler Büro. Verteidiger Miek vermisst das Bemühen der Kripo, die Hintermänner zu entlarven, eventuell auch mit einem "Lockvogel": "Mir fehlt jeglicher Versuch, an das Geld heranzukommen."

Seit November sitzt auch ein Amberger Finanzberater in Haft, weil er weiter Geld eintrieb. Das Verfahren gegen Wolfgang S. neigt sich dem Ende zu. Der Prozess gegen den Amberger soll im Herbst beginnen, ebenfalls am Weidener Landgericht.
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