Nach fast 65 Jahren: Max-Reger-Apotheke schließt - Keine Nachfolge - "Tränen in den Augen"
Abschied an Heiligabend

Ein Bild aus dem Jahr 1950. Damals gründete Franz Mahl (Dritter von links) die Max-Reger-Apotheke. Knapp 65 Jahre später schließt sie nun. Repro: htl
Hinten haben sie schon einen Teil der Einrichtung rausgeräumt. Vorne, im Eingangsbereich der Max-Reger-Apotheke, steht aber das meiste noch. Die dunklen Auslagen und Schränke, die noch aus dem Eröffnungsjahr 1950 stammen. Daneben an der Wand ein Bild des Namensgebers. Max Reger blickt mit typischer Mimik von dem Porträt hinab auf die Kunden. Das Bild soll jetzt dann das Stadtarchiv bekommen, sagt Inhaber Werner Heindl. Die Apotheke selbst ist bald auch was fürs Archiv. Sie schließt Heiligabend gegen Mittag.

"Das hat keine wirtschaftlichen Gründe", erklärt Heindl. Aber er sei jetzt nunmal 65 Jahre alt. Die angestellte Apothekerin, Marie-Luise Kuhn, ebenfalls. Zeit für Ruhestand. Er selbst hat das Geschäft 35 Jahre geleitet. Die Mitarbeiter - zu ihnen zählen auch noch Renate Ottl und Maria Pentner - sind auch alle schon mindestens 25 Jahre dabei. "Von daher kann man schon sagen, dass das eine Traditionsapotheke war."

In der Braunmühlstraße, hinter der Josefskirche, hatte Franz Mahl sie vor fast 65 Jahren eröffnet. Aus jener Zeit stammt auch noch ein Brief, den Heindl herauszieht. Mahl hatte Max Regers Witwe Elsa gefragt, ob er die Apotheke nach dem Komponisten, den er selbst noch persönlich gekannt habe, benennen dürfe. Er durfte. "Mit größter Freude gebe ich Ihnen die Erlaubnis der Namensbenennung", schrieb die Witwe. Und: Max Reger habe ja schon einmal den Ehrendoktor einer medizinischen Fakultät bekommen, weil seine Musik vielen Trost und Hilfe gebracht habe. "Möge auch Ihre Apotheke viel Leid lindern helfen." Unterschrieben ist der Brief mit "Ihre ergebene Frau Max Reger". Heindl muss grinsen bei dieser Passage. Waren halt andere Zeiten.

Dass sich seither viel geändert hat, ist auch der Grund, warum es keine Nachfolge gibt für die Apotheke, die er von Mahls Nachfolger Rudolph Blümke 1979 übernommen hatte. Zum einen liegt sie wegen der Stadtentwicklung der vergangenen Jahrzehnte nicht mehr so zentral wie einst - das Leben spielt inzwischen mehr in der Altstadt und der Max-Reger-Straße. Zum anderen sind aber auch immer mehr Ärzte raus aus dem Zentrum, Richtung Stadtrand - und mit ihnen die Patienten. Für mögliche Nachfolger wäre die Lage einfach nicht mehr so attraktiv, meint Heindl.

Er selbst freilich hatte noch genug treue Kunden. Und so sehr er sich nun auf Radfahren, Wandern, Spaziergänge mit dem Hund freue - sie würden ihm umgekehrt schon abgehen. "Das sind ja fast alles Stammkunden. Die haben jetzt zum Teil Tränen in den Augen", erzählt Heindl. "Das ist das Schlimme, dass man sich von Kunden trennen muss, die einem über Jahre treu geblieben sind."
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