"Naturnahe Lösung nicht möglich"
Briefe an die Redaktion

Zur Verlängerung der Südost-Tangente schreibt ein Leser:

Sehr geehrter Herr Rank, liebe Bürgerliste, in Ihrem Plädoyer für die Erweiterung der Ost-Tangente in der Stadtratssitzung am Montag sprachen Sie von der Forderung der Bürger nach dieser - ihr Schlusswort lautete, um in Weiden "schöner zu wohnen". Die Stimmung der Bürger in Weiden-Ost zu Ihren Gunsten zu verallgemeinern, ist schlichtweg falsch. Dieses Thema scheint mir bei Ihnen ein sehr starkes politisches Prestige zu haben (sie hatten es bereits im letzten Wahlkampf beworben).

Ihrer Darstellung spiegelt in keiner Weise die der Bürger im Weidener Osten wieder. Der Bau dieser Straße würde unwiderruflich zu einer Zerstörung des inzwischen letzten wirklichen Naherholungsgebietes Weidens führen, es wäre ein riesiger Fehler sich dieses Freizeitwertes zu berauben. Mag sein, dass die Wertschätzung hierfür bei bestimmten Interessengruppen nicht vorhanden ist.

Sachlich argumentiert, würde der Bau zu einer Verringerung der Frequentierung der Vohenstraußer Straße führen. Es würde aber keinen Einfluss auf das Stadtinnere haben, keine Reduktion des Gesamtverkehrsaufkommens. Natürlich ist es eine vielbefahrene Straße, aber von Weidens Einfahrtsstraßen, die am wenigsten befahrene.

Der Verkehr hier hat die letzten Jahre durch den Autobahnausbau sogar abgenommen, der Fernverkehr bleibt weitestgehend aus. Stau entsteht hier höchstens morgens zwischen 7 und 8 Uhr. In welcher Stadt haben Sie keinen regen Morgenverkehr? Dieses Problem würde einem Regensburger oder Nürnberger Bürger lächerlich erscheinen und wird in Weiden von einigen viel zu hoch gespielt. Was gegen den Bau spricht, wiegt um ein Vielfaches mehr. Es wird die Bürger von Weiden-Ost nicht entlasten, das zu glauben ist ein Trugschluss. Es bedeutet eine Einhausung des Lärms von 3 Seiten und wird sich potenzieren,das muss jedem klar sein. Die Lärmbelästigung durch die Ostmarkstraße (Tempo 100) ist bereits höher als Vohenstraußer Straße (Tempo 50). Doch der wichtigste Punkt und den muss der Stadtrat in seiner Entscheidungsfindung berücksichtigen, ist der unendliche Wertgewinn Weidens durch das Schirchendorf-Fischerberggebiet (gestiegenes Freizeitbewusstsein/Outdoor-Aktivitäten).

In Städten wie München, Regensburg oder Nürnberg gibt es ein wesentlich größeres Angebot hierfür, jedoch besitzt keine dieser Städte solch ein attraktives, vielseitig genutztes Naturreservoir, es kostet der Stadt keinen Cent. Damit müsste man Werbung machen, wir tun es nur zu wenig. Warum ist Weiden-Ost so attraktiv? Zuziehende, die große Ressentiments gegenüber der Kleinstadt Weidens hatten, haben Weiden durch dieses Gebiet lieben und schätzen gelernt. Das Naherholungsgebiet Fischerberg mit seinen Ausläufern ist ein von der Stadt absolut schützenswertes Muss. Dieses darf nicht parteipolitischen Interessen zum Opfer fallen.

Die Beschwichtigung mit einer naturnahen Lösung für den Straßenbau wird die Tatsache der Zerstörung dieses Gebietes nicht aufheben. Es wird keine naturnahe Lösung geben! Das staatliche Bauamt wird eine Untertunnelung nicht finanzieren. Der Höhenunterschied im Schirchendorfgraben muss mit einer massiven Aufschüttung angehoben werden, eine Einschneidung nach Tröglersricht wird notwendig. Von notwendigen Auf- und Abfahrtsrampen will ich gar nicht sprechen. Ist einmal das Zepter dem staatlichen Straßenbauamt übergeben, wird dieses nach momentanen Standard bauen. Beispiele wie so etwas dann aussieht gibt es genügend

Ich halte auch nichts von einem Bürgerentscheid, denn betroffen ist ja vornehmlich der Osten (zu geringe Gesamtbeteiligung). Die Entscheidung sollte die Politik selber fällen. Ich wünsche mir nur eine faire Abwägung und nicht einen Stimmenfang durch die, die am lautesten rufen. Denn bisher haben die einzelnen Befürworter ein sehr lautes Organ entwickelt. Dies spiegelt aber nicht die Meinung in Weidens Osten wieder. Die Stimme der Gegner dieses Straßenbaus wird lauter werden zum Wohle Weidens.

Dr. Alexander ErbenWeiden

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