Nazis mutig standgehalten

Dr. Franz Josef Pfleger. Bild: sbü (1)

Franz Josef Pfleger war der erste Oberbürgermeister Weidens nach dem Zweiten Weltkrieg. An ihn erinnern nicht nur der Straßenname, sondern zahlreiche Dokumente in vielen Archiven. Kulturamtsleiterin Petra Vorsatz hat sie alle gesichtet. Ihr Schluss: Dr. Pfleger zählt zu den interessantesten Persönlichkeiten der Geschichte der Stadt.

Weiden. (sbü) Dr. Franz Josef Pfleger ist seinen Überzeugungen sein ganzes Leben lang treu geblieben und hat dies auch gegenüber dem nationalsozialistischen Terrorregime durchgehalten. Wer sich mit seiner Lebensgeschichte befasst, kommt rasch zu dieser Schlussfolgerung. Kulturamtsleiterin Petra Vorsatz hat über Dr. Pfleger in zahlreichen Archiven recherchiert. Sogar amerikanische Akten und Unterlagen der Staatsanwaltschaft Weiden hat sie studiert. In der Monatsversammlung des Heimatrings hat Petra Vorsatz jetzt darüber berichtet.

Mit 73 Jahren OB

Anhand zahlreicher schriftlicher Dokumente aus dem Leben des Rechtsanwalts, Politikers und späteren Oberbürgermeister Dr. Pfleger konnte sie seinen Vorbildcharakter beweisen. Oberbürgermeister von Weiden wurde Pfleger erst im Alter von 73 Jahren nach Kriegsende. So war im wohl die Kraft nicht mehr gegeben, sich 1948 erneut zur Wiederwahl zu stellen. Welche schwierigen Aufgaben jedoch in den unmittelbaren Nachkriegsjahren in Weiden zu bewältigen waren, zeigte die Referentin mit Auszügen aus einem Interview des Juristen aus dem Jahr 1947 mit dem "Neuen Tag" auf.

Zu seinen größten Aufgaben zählte der Oberbürgermeister damals die Unterbringung von Flüchtlingen, die schlechte Versorgungslage, Krankheiten und Schulerweiterungen. Petra Vorsatz dokumentierte dies auch mit Zahlen. Während des Krieges lag die Einwohnerzahl Weidens bei 39 000. Unmittelbar nach dem Krieg kamen 12 000 Flüchtlinge nach Weiden, wovon 8000 bis 9000 hier geblieben seien. Für diese Menschen erträgliche Lebensverhältnisse zu schaffen, dürfte wohl die größte Herausforderung für den Oberbürgermeister gewesen sein. Weil er dies bewältigt habe, wurde Dr. Pfleger im Jahre 1953 die Ehrenbürgerwürde verliehen. Besondere Verdienste habe sich Dr. Pfleger auch durch die Errichtung und Förderung des Studienseminars St. Augustin erworben.

Dass das Leben des Dr. Pfleger jedoch weitgehend durch andere Zeiten als die Nachkriegszeit geprägt wurde, zeigte Petra Vorsatz anhand zahlreicher Originaldokumente. Zum Vorbild dürfte Dr. Pfleger dabei vor allem durch seine Standhaftigkeit gegenüber dem Nazi- und SS-Terror geworden sein. So hat er gegen großen Widerstand als Anwalt auch zahlreiche jüdische Klienten vertreten. Mehrfach wurde er verhaftet und in SA-Schriften verunglimpft. In der Pogromnacht 1938 wurden seine Wohnung und sein Büro zerstört. Später verlor er seine Anwaltszulassung, durfte Weiden nicht mehr betreten und musste sich verstecken. Schon seit 1933 war Dr. Pfleger nicht mehr Reichstagsabgeordneter von Zentrum und Volkspartei.

NS-Regime nie angepasst

Petra Vorsatz zeigte mehrere Dokumente aus dem Leben des Dr.Pfleger, die belegen, dass sich dieser Mann dem Nationalsozialismus nicht angepasst hat. Als ein Beispiel dafür dient sein Satz: "Es ist unwürdig für einen Rechtsanwalt, rassisch verfolgte Klienten nicht zu vertreten." Frau Vorsatz fasste deshalb ihren Vortrag mit dem Satz an ihre Zuhörer zusammen: "Sie haben jetzt Einblick in das Leben eines besonderen Menschen bekommen."
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