Neue Wege bei Bioabfall

Die Stadt könnte einen Teil ihrer Abfälle wieder selbst in die Hand nehmen. Nach Vorstellungen des Umweltausschusses soll Weiden eine Eigenverwertung von Biomüll, Gartenabfällen und Co prüfen - zur Kompostierung oder zur Gewinnung von erneuerbarer Energie. Notfalls auch im Alleingang.

Die Idee ist schon älter, die CSU setzte sie mit einer Anfrage im Umweltausschuss wieder auf die Tagesordnung: Könnte Weiden nicht selbst die im Stadtgebiet angefallenen Gartenabfälle und anderes entsorgtes Grüngut kompostieren beziehungsweise verwerten? Eine klare Antwort brachte die Sitzung am Dienstag nicht. Aber eine klare Tendenz: Die Mitglieder sprachen sich einstimmig dafür aus, das Thema weiter zu verfolgen. Nach Möglichkeit soll es eine Lösung gemeinsam mit den Kreisen Tirschenreuth und Neustadt geben. Wenn das nicht gelingt, soll es Weiden selbst überlegen.

Bislang sind Firmen mit der Entsorgung beauftragt. Grüngut aus Gärten und Parks oder Reste, die bei der Landschaftspflege anfallen (einschließlich des Straßenbegleitgrüns), wandern ebenso in die Kompostieranlage eines Unternehmens wie der Inhalt der Biotonnen aus Privathaushalten. Laut Verwaltung kommen so insgesamt rund 8000 Gewichtstonnen pro Jahr zusammen.

Recycelte Idee

Nach Angaben der Firmen würde eine Kompostieranlage (ohne Biotonne) 1,5 Millionen Euro kosten, eine Biogasanlage Investitionen von bis zu 10 Millionen Euro nötig machen. Die Idee, gemeinsam mit Tirschenreuth und Neustadt die Verwertung in Eigenregie zu übernehmen, gab es schon einmal. Eine Einigung auf politischer Ebene scheiterte allerdings. Das könnte sich nun ändern.

OB Kurt Seggewiß jedenfalls wies in der Ausschusssitzung darauf hin, dass durch neue Vorgaben nun auch die Kreise - wie Weiden - eine Sammlung von Bioabfällen anbieten müssten. Damit könnte es ein Umdenken geben - und eine Chance laut Seggewiß: "Das wäre ein Paradebeispiel für interkommunale Zusammenarbeit."

Das wäre auch aus Sicht von Heinrich Vierling und Hans Blum (beide CSU) die beste und wirtschaftlichste Lösung. Beide forderten aber, notfalls auch einen Alleingang zu prüfen. Zumal sie an den Kostenschätzungen durch die Firmen zweifelten. Das sah auch Rechtsdezernent Hermann Hubmann so, der darauf verwies, dass die Firmen natürlich kein Interesse hätten, dass die Stadt die Verwertung selbst übernimmt.

Ähnlich Matthias Rösch vom Energietechnologischen Zentrum: In einer groben Schätzung kam er auf eine deutlich niedrigere Summe. Eine Biogasanlage beispielsweise, mit der sich aus der Weidener Biomasse Strom und Wärme erzeugen ließe, würde demnach eher drei Millionen Euro kosten. Als Partner brachte Reinhard Hese (SPD) die Stadtwerke ins Spiel. Rainer Sindersberger (Bürgerliste) verwies zudem auf Genossenschaften wie die NEW.
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