Neustart ins Ungewisse

Heute endet die sechswöchige Auszeit. Die Regionalbibliothek schlägt ein neues Kapitel auf: mit Kassenautomaten und modernem Rückgabesystem. Und bald auch mit veränderter Gebührenordnung. Die umstrittenen Stadtratsideen sind in den Satzungsentwurf eingearbeitet.

Zwei Worte, eine klare Botschaft: "Es läuft." Sabine Guhl ist optimistisch, dass der Neustart reibungslos klappt. Am heutigen Dienstag um 10 Uhr öffnet eine modernisierte Regionalbibliothek ihre Pforten. Seit einer Woche schnurrt das Förderband zur Bücherrückgabe zuverlässig, auch die Software der Kassenautomaten funktioniert, kurz: "Es läuft."

Noch alte Konditionen

Nun auch bei den Kunden? Die Leiterin gibt sich unbeirrt zuversichtlich. Für die Ausleihe gelten bis auf weiteres die alten Konditionen. Für Fragen und Erklärungen zur neuen Technik stehen die Mitarbeiter parat: "In dieser Woche werden die Besucher mehr Personal sehen als jemals zuvor." Antworten auf alle Fragen können sie dabei nicht liefern. Zum Beispiel: Bleibt es bei den umstrittenen Plänen des Stadtrats für die "Regi"-Satzung? Mittlerweile sind die Vorschläge in den Satzungsentwurf eingearbeitet, wie aus einem Vorlagebericht der Verwaltung für den Finanzausschuss hervorgeht. Zusätzlich zu angehobenen Ausweisgebühren (wir berichteten) sieht er konkret vor:

Eine zusätzliche Stückgebühr von 50 Cent pro ausgeliehenem Medium. Die soll auch bei einer Leihfristverlängerung anfallen. Unklar ist, ob beispielsweise Kindern und Jugendlichen, Schülern und Studenten "im Sinne der Leseförderung bzw. der schulischen Ausbildung" die Zusatzgebühr erlassen wird. Nicht möglich ist es laut Verwaltungsbericht, die Nutzer des Online-Angebots ("Regi24") entsprechend zur Kasse zu bitten: "Die Ausleihe von eMedien erfolgt über einen Drittanbieter."

Wie SPD-Fraktionschef Roland Richter klarstellt, will der Stadtrat keine 50-Cent-Zusatzgebühr pro Medium, sondern pro Ausleihe. Dies wäre "absolutes Neuland" in der Bibliotheken-Landschaft - insofern fraglich, ob dies technisch überhaupt möglich und finanziell darstellbar sei, schreibt die Verwaltung dazu. Zum 1. Januar tritt die Änderung wohl so oder so nicht in Kraft: Die Programmierung der 50-Cent-Gebühr pro Medium, die etwa 2000 Euro kostet, könne nach der Beschlussfassung des Stadtrats erst im Januar erfolgen.

Die neue Satzung sieht ferner eine Beschränkung der Ausleihe auf fünf Medien und eine Gebühr für Schulführungen vor, die sich "an den einschlägigen Personalkosten" orientiert.

Verstärkter Diskussionsbedarf ist bei der Ausweitung der Schließzeiten zu erwarten. Die "Regi" bietet an, donnerstags nur noch von 14 bis 20 Uhr zu öffnen (statt 10 bis 20 Uhr). Problem 1: Für die dadurch "frei gesetzten ca. 5 Mitarbeiter" müsste während dieser Zeit in der Stadtverwaltung andere Arbeit gefunden werden. Problem 2: Das Lesecafé stünde vor dem Aus. Die Betreiberinnen fürchteten um die Rentabilität der gesamten Einrichtung, falls ein Wochentag wegfällt.

Nicht nur aus ihrer Sicht wäre es besser, den fürs Café weniger umsatzstarken Samstag als Öffnungstag zu streichen. Konkret könnten Heiz-, Strom- und Reinigungskosten gespart werden, heißt es im Verwaltungsbericht. Das Problem der "überschüssigen" Arbeitszeit der Beschäftigten bleibt. Denn, wie eine Umfrage beim Personal ergab: Freiwillig will keiner Stunden reduzieren.

Aus rechtlichen Gründen kann ein weiterer Sparvorschlag nicht in die Satzung eingearbeitet (aber dennoch wirksam) werden: die Entgeltregelung für die Raumnutzung in der "Regi". Veranstalter beispielsweise von Konzerten sollen künftig für die Benutzung von Innenhof (500 Euro), Saal und Gang im Erdgeschoss (je 125 Euro) zahlen. Pro angefangene Stunde seien zusätzlich 25 Euro zu berechnen. Die Verwaltung schlägt vor, bei "Veranstaltungen im Sinne der Leseförderung" keine Gebühren zu erheben.

Über den Satzungsentwurf und die Entgeltregelung befindet am Mittwoch, 3. Dezember, zunächst der Finanzausschuss. Die Sitzung im Neuen Rathaus beginnt um 9 Uhr. In der "Weihnachtssitzung" am Montag, 15. Dezember, muss der Stadtrat den Beschluss bestätigen, damit er wirksam werden kann.
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