Neustart mit Geldregen

Sie haben offenbar den Weg an die Fördertöpfe gefunden: Zukunftscoachin Roswitha Ruidisch (stehend, links) und Projektmanagerin Susanne Reinhardt mit Oberbürgermeister Kurt Seggewiß (links) und Rechtsdezernent Hermann Hubmann. Bild: sbü

Bei vielen Kommunen war aus dem Projekt Zukunftscoach schnell die Luft raus. Anders in Weiden: Die Stadt beantragte die Verlängerung und wird nun dafür belohnt: Sie erwartet Fördergelder in Höhe von mehreren Millionen Euro.

(sbü) "Leicht war es nicht, aber wir haben es geschafft", berichten Oberbürgermeister Kurt Seggewiß und Rechtsdezernent Hermann Hubmann. "Es musste gefeilt und gefeilscht werden, um den Anforderungen des Ministeriums gerecht zu werden." Dafür gibt es nun eine Erfolgsmeldung: Das bayerische Arbeits- und Sozialministerium hat der Fortsetzung des Projekts Zukunftscoach zugestimmt.

Bessere Bedingungen

Die Genehmigung betrifft den Zeitraum von September 2015 bis August 2018, also drei Jahre. Dabei wurden 265 000 Euro Gesamtkosten veranschlagt, von denen der Europäische Sozialfonds (ESF) 159 000 Euro bestreitet. Den Rest muss die Stadt finanzieren. Der Stadtrat hat bereits zugestimmt (wir berichteten).

Damit kann Zukunftscoachin Roswitha Ruidisch ihre Arbeit fortführen und das Demografiekonzept der Stadt weiter umsetzen. Neu ist in der zweiten Förderperiode laut Programmkonzeption "die Beratung und Unterstützung von Unternehmen, Organisationen und Einrichtungen in Fragen des demografischen Wandels". Dabei erfolgt der Neustart des Projekts unter deutlich günstigeren Bedingungen als vor drei Jahren. Denn diesmal stehen den beteiligten Organisationen laut Seggewiß und Hubmann zusätzlich zu den Projektmitteln "erhebliche Summen ergänzender Fördergelder aus anderen Programmen zur Verfügung".

Die Verantwortlichen der Stadt rechnen mit mehreren Millionen Euro, die unter anderem für Langzeitarbeitslose, Schwerbehinderte und Randgruppen - "letztendlich den Arbeitskräftereserven" - zur Verfügung stehen. Einiges sei ja schon bekannt, etwa das 1,2-Millionen-Euro-Programm "Jugend stärken im Quartier", das Schwerbehindertenprojekt "Hand-in-Hand" mit 850 000 Euro und das "ESF-Bundesprogramm für Langzeitarbeitslose" mit 800 000 Euro. Laut Seggewiß wird die Arbeitsagentur Weiden demnächst aber noch mit einer weiteren großen Erfolgsmeldung aufwarten. "Dank gemeinsamer Bemühungen und persönlicher Interventionen" werde es erstmals einen Zuschlag für Programme zur Erprobung innovativer Ansätze geben.

Gemeinsam richteten Seggewiß, Hubmann und Ruidisch einen Appell an alle beteiligten Unternehmen, Verbände, Organisationen und Institutionen: "Vergessen Sie bitte nicht das eigentliche Arbeitsmarktproblem der Stadt Weiden, die verkrustete Langzeitarbeitslosigkeit." Und sie erinnerten auch an die "tatsächlichen Größenordnungen" von mehr als 1100 arbeitslosen Hartz-IV-Empfängern im Stadtgebiet. Und daran, dass ein hoher Anteil der Weidener Kinder aus diesen Familien komme.

Neuer Ansatz

"In gut zehn Jahren scheidet ein Drittel aller derzeitigen Erwerbstätigen aus dem Erwerbsleben aus. Auch ein weiter zunehmender Zuzug von Flüchtlingen kann den Ersatzkräftebedarf nicht ausgleichen", ergänzten sie. Nur ein ganzheitlicher Ansatz unter verantwortlicher Beteiligung aller gesellschaftlich relevanten Gruppen könne dieser Herausforderung gerecht werden. "Geben Sie den Randgruppen eine Chance", lautete deshalb die Bitte. (Hintergrund)
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