New Yorker Zeugen treten an

Nimmt sich ein New Yorker Bankdirektor die Zeit für eine Aussage vor dem Weidener Landgericht? Er müsste nicht. Aber er hat. James Aramanda, CEO von Clearing House, trat am Montag um Punkt 9 Uhr pflichtbewusst im Ted Weiss Federal Building an.

(ca) Die 1. Große Strafkammer des Landgerichts Weiden, besetzt mit Landgerichtspräsident Walter Leupold und den Richtern Dr. Marco Heß und Markus Fillinger, hat in New York die ersten Zeugen im Betrugsverfahren gegen Wolfgang S. befragt. Am Montag wurde in einem Konferenzraum im 30. Stockwerk des Federal Buildings am Broadway zunächst James Aramanda vernommen. Am Nachmittag folgte ein Mitarbeiter des Bankhauses.

Ihre Fragen stellten bei den kommissarischen Vernehmungen auch Staatsanwalt Hans-Jürgen Schnappauf und die Verteidiger Jörg Jendricke und Helmut Miek. Bankdirektor Aramanda und sein Mitarbeiter machten bei der Befragung "umfangreiche Angaben", sagte Fillinger danach gegenüber dem NT. Über den Inhalt wurde Stillschweigen vereinbart. In Absprache mit den Verteidigern soll zunächst der Angeklagte erfahren, was die Zeugen ausgesagt haben. Die Gespräche in New York werden als Protokolle in die Hauptverhandlung in Weiden einfließen. Am Montag und Dienstag sind die nächsten Verhandlungstage im Prozess gegen den 68-Jährigen in Weiden angesetzt.

Angeblich Duz-Freund

Aramanda, angeblicher Duz-Freund von Wolfgang S., ist eine Schlüsselfigur in dem Verfahren. In seinem Bankhaus sollen die 65 Millionen Euro des Angeklagten liegen. Von Clearing House will dieser auch die Kontonummern erhalten haben, an die seine Geldgeber fleißig "Gebühren" in Millionenhöhe überwiesen.

Der Angeklagte hat erst kürzlich ausführlich seine Freundschaft zu James Aramanda geschildert. Unter anderem habe er nächtelang mit dem Amerikaner telefoniert, als dessen Frau 2011 verstorben sei. Die Telefonnummer gab Wolfgang S. auch an Michael S. weiter, den Unternehmer aus dem Landkreis Tirschenreuth, der Hauptgeschädigter im Prozess ist. Michael S. war überzeugt, mit dem "echten" Aramanda telefoniert zu haben.

Der Mitarbeiter von Clearing House, der am Nachmittag befragt wurde, hatte 2011 einen Brief des Sulzbach-Rosenberger Wirtschaftsprüfers Sebastian Maier bearbeitet. Maier war misstrauisch geworden, als er die Bilanzen des Unternehmens im Landkreis Tirschenreuth prüfte. Der Clearing-House-Mitarbeiter warnte postwendend vor Betrügern und riet, sich an die deutschen Sicherheitsbehörden zu wenden. Seine Warnung verhallte beim Firmenchef ungehört.

Für Mittwoch vernahmen die Weidener zwei FBI-Agenten. Einer davon gilt als Spezialist für organisierte Kriminalität und Finanzbetrug. Im Fall Wolfgang S. steht im Raum, dass dieser - wissentlich oder unwissentlich - als Geldeintreiber für eine Nigeria-Connection fungierte. Die Betrüger-Ringe, die ihren Namen vom Ort ihres ersten Auftretens in der nigerianischen Hauptstadt Lagos haben, suchen sich per Massen-Mails Opfer. Immer wird viel Geld versprochen - gegen "kleine" Vorauszahlungen.

Noch bis Freitag Zeugen

Das Gericht erhoffte sich Auskunft über angeblich von FBI-Agenten stammende Mails, die als Beweismittel sichergestellt wurden. Darin gaben angebliche Agenten unter anderem Ratschläge, wie solche Summen geschickt nach Europa transferiert werden können. Außerdem fragten die Richter die genannten Namen und Kontaktdaten, Abteilungen und Agenten ab. Am Freitag folgen noch zwei weitere Zeugen, einer von Clearing House, einer von der Federal Reserve Bank, die laut Wolfgang S.' Schriftverkehr ebenfalls die Finger im Spiel hatte.
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