Nicht auf den Notarzt warten

Die Herzrhythmusstörung gilt als Volkskrankheit. Kein Wunder, dass das Interesse an dem Vortragsabend so groß war, dass noch Stühle in die Max-Reger-Halle getragen werden mussten. Facharzt Dr. Joachim Sonna, Oberärztin Dr. Heike Naser-Schuh und Professor Dr. Robert Schwinger (von links), Chefarzt der Medizinischen Klinik II am Klinikum Weiden boten viele Informationen über diese Krankheit. Bild: sbü

Seit 30 Jahren hat sich nichts geändert. Im Durchschnitt dauert es nach einem Herzinfarkt noch immer 3 Stunden bis die Krankenhausbehandlung beginnen kann. Doch sofortige Hilfe ist wichtig. Jede Minute zählt. Nicht auf den Notarzt warten, sondern sofort selbst mit der Herz-Lungen-Massage beginnen - das gilt für jedermann.

Weiden. (sbü) Herzrhythmusstörungen können ein Warnsignal sein, dass ein Herzinfarkt droht. Aber sie können auch harmlos sein. Für die passende Behandlung müssen sie genau diagnostiziert werden. Und welche Diagnose- und Behandlungsmethoden gibt es? Mit diesen Fragen befassten sich drei Expertenvorträge in der Max-Reger-Halle. Eingeladen hatte die Medizinische Klinik II am Klinikum Weiden zusammen mit der Deutschen Herzstiftung, der AOK-Direktion Weiden und dem Medienhaus "Der neue Tag".

Häufig: Vorhofflimmern

Viele medizinische Fachbegriffe waren dabei zu hören, doch sie wurden alle gut erklärt. Die wichtigste Erkenntnis war, dass Herzrhythmusstörungen unbedingt untersucht werden müssen, damit sie gezielt behandelt werden können und keine Gefahr eines Herzinfarkts oder des sogenannten plötzlichen Herztods besteht. "30 000 unter den 170 000 Herzinfarkten gehen in Deutschland jährlich auf die häufigste Form der Herzrhythmusstörungen, das Vorhofflimmern, zurück", informierte Professor Dr. Robert Schwinger, Chefarzt am Klinikum Weiden. Die Zahl von jährlich rund 80 000 Fällen des plötzlichen Herztods nannte Prof. Schwinger ebenfalls.

Wenn ein Patient über Herzrhythmusstörungen klagt, müssten diese unbedingt untersucht werden, damit es nicht zum Schlimmsten komme, empfahl der Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie, Dr. Joachim Sonna. Das Befragen des Patienten reiche meist nicht aus, weil die Beschwerden trotz verschiedener Ursachen oftmals ähnlich geschildert werden. Festgestellt werden müsse: "Kommen die Beschwerden aus dem Vorhof oder der Kammer? Welche Frequenz liegt vor und was sind ihre Ursachen?"

EKG auch in Langzeitform, mit oder ohne Belastung, kleine implantierte Eventrekorder oder auch die elektrophysiologische Untersuchung kommen in Betracht. Eine gezielte Therapie setze immer auch die genaue Kenntnis des Anfalls voraus. Dr. Sonna unterschied zwischen langsamen (Domäne der Schrittmacher-Therapie) und schnellen Rhythmusstörungen. Herzjagen könne harmlos sein, müsse es aber nicht. Gefährlicher könnten das Stolperherz und vor allem das Vorhofflimmern sein. Eine kardiologische Abklärung sei unabdingbar. Auch die Ursachen könnten vielfältig sein. Stress, Aufregung, Herzklappenfehler, Schilddrüse, Medikamente, Vorerkrankungen oder genetische Ursachen seien mögliche Auslöser von Rhythmusstörungen. Die möglichen Folgen: Herzklopfen, Herzrasen, Atemnot oder Schwitzen. Das Risiko des Vorhofflimmerns steige mit dem Alter.

Die verschiedenen Behandlungsformen je nach Art und Ursache der Krankheit erläuterte Oberärztin Dr. Heike Naser-Schuh. Unterschieden werde zwischen medikamentösen und interventionellen, also mit Eingriffen verbundenen Therapien. Bei der Ablation wird Gewebe entfernt, das die Störungen auslöst. Oftmals müsse auch eine Grundkrankheit, zum Beispiel Bluthochdruck, zuerst behandelt werden. Bei Medikamenten, zum Beispiel Amiodaron, seien die Nebenwirkungen "enorm". Dennoch sei dieses Mittel sehr effizient.

Rechtzeitig Implantieren

Bei der elektrischen Kardioversion (Elektroschockbehandlung) müssten meist auch gerinnungshemmende Medikamente wie Marcumar oder neuere Alternativen eingesetzt werden. Herzschrittmacher und implantierte Defibrillatoren stellte Prof. Schwinger vor. Vor allem riet der Chefarzt dazu, "Herzschrittmacher rechtzeitig zu implantieren". Und "lieber einmal umsonst den Notarzt unter 112 anrufen, als den Hirntod in Kauf zu nehmen".
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