Nicht mehr feierlich

"Weihnachtssitzung" im Alten Rathaus: In besonderer Atmosphäre ließen die Stadträte bisher das Jahr ausklingen. 2014 ist alles anders. Heute steht eine reine Arbeitssitzung an - im nüchternen Ambiente des Neuen Rathauses. Archivbild: Steinbacher

Der Oberbürgermeister bricht mit einer langen Tradition: Der heutigen Stadtratssitzung - der letzten des Jahres - geht alles Feierliche ab. Die Räte sollen nicht in Weihnachtsstimmung schwelgen, sondern arbeiten. Das gefällt nicht jedem.

Für Franz Baierl, 42 Jahre lang CSU-Stadtrat bis zu seinem Ausscheiden im März, war die letzte Sitzung des Jahres stets eine ganz besondere. Das Tagesgeschäft blieb außen vor, im festlich geschmückten Saal des Alten Rathauses brannten Kerzen, und die Fraktionsvorsitzenden sprachen versöhnliche Worte zum Jahresausklang. Beim anschließenden Gang über den Christkindlmarkt und einem Festessen im Neuen Rathaus waren zu Schröpf-Zeiten "auch immer die Ehefrauen dabei". Geschenke gab's und adventliche Harmonie nicht selten "bis früh um 2, 3 Uhr". "Für viele", erinnert sich der CSU-Mann, "war es ein echtes Erlebnis. Der schönste Tag des Jahres."

Für seine Nachfolger wird es am Montag ein ganz normaler sein. Erstmals bricht der Oberbürgermeister - als "Einladender" - komplett mit der Tradition und setzt die letzte Stadtratszusammenkunft des Jahres als reine Arbeitssitzung an. Nicht im Alten, sondern im Neuen Rathaus (Beginn 15 Uhr). Ansprachen der Fraktionsvorsitzenden sind nicht vorgesehen. Längst nicht jedes Gremiumsmitglied ist damit einverstanden. "Besonders die neuen Stadträte hätten die besondere Atmosphäre im Alten Rathaus gerne mal erlebt", weiß ein Stadtrat, der die Entscheidung selbst "nicht ganz nachvollziehen" kann.

Zu viele wichtige Themen

Wie Bürgermeister Jens Meyer erklärt, entschloss sich OB Kurt Seggewiß (bis gestern in Issy-les-Moulineaux) vergangene Woche in Abstimmung mit den Fraktionschefs für den Traditionsbruch. Der Grund, laut Meyer: Es stünden einfach zu viele wichtige Themen auf der Tagesordnung. Auch solche, für welche die Technik im Neuen Rathaus (Beamer) nötig sei.

Konkret geht es unter anderem um die neue Gebührensatzung für die Regionalbibliothek und deren Öffnungszeiten, den Haushalt 2015 und eine Vereinbarung über eine interkommunalen Zusammenarbeit mit Parkstein. Auch die Anpassung der Kindergartenbeiträge an das "Tohuwabohu"-Niveau soll überraschend nochmals zur Diskussion stehen. Ebenso wie die Stadtratskosten. Angedacht ist nach NT-Informationen, die Sitzungsgelder um zehn Prozent zu senken.

Erst am Freitag erfuhr Dr. Christian Deglmann vom nüchternen Charakter der anstehenden Sitzung. Nach guter Bürgerlisten-Tradition wollte er auch heuer in Reimform auf das Jahr 2014 zurückblicken. "Das Gedicht steht", erklärt er. Zum Vortrag kommt es nun jedoch nicht. "Kein Beinbruch" für Deglmann: "wenn es so viel zu arbeiten gibt ..." Bürgermeister Meyer erinnert daran, dass auch schon in den vergangenen Jahren vor Weihnachten schwierige Themen zu behandeln waren - 2013 unter anderem der Gewerbesteuererlass für ATU. Insofern sei dem festlichen Teil schon seit längerem eine Arbeitssitzung vorausgegangen.

"Wann war's zuletzt die klassische Weihnachtssitzung?", fragt auch CSU-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Pausch. "So harmonisch ging es nicht mehr zu." Schade findet er es, dass es nicht gelinge, Aufreger-Themen aus der Weihnachtssitzung herauszuhalten. Vielleicht 2015? Die "Festsitzung", meint Meyer, sei sicher nicht für alle Zeiten gestorben.

Gemeinsames Essen

Und vielleicht finden die Räte trotz allem noch am heutigen Montagabend zum fraktionsübergreifenden Weihnachtsfrieden: Nach getaner Arbeit wollen sie gemeinsam im Restaurant der Max-Reger-Halle dinieren. Geschenkt gibt es aber auch dort nichts: Jeder zahlt selbst.
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