Nicht nur mit Frauen ein Problem

"Da sind wieder alle Richtigen zum richtigen Zeitpunkt zusammengekommen", meinte Richter Dr. Alexander Wedlich trocken. Ein heißblütiger 31-Jähriger geriet vor einem Tanzlokal mit einem Junggesellenabschied aneinander. Auch diese Jungs waren keine Kinder von Traurigkeit - und so kam es im August 2014 zur wilden Jagd durch die Innenstadt.

Weiden. (ca) Vor Gericht stand am Donnerstag der 31-Jährige wegen versuchter Körperverletzung, Beleidigung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, weil er es damals auch gegenüber der Polizei nicht gut sein ließ. Neben einem "erheblichen Autoritätsproblem" (Richter Wedlich) hat der Angeklagte mindestens ein kleines Frauenproblem. Er hatte in dem Lokal zunächst weibliche Gäste beleidigt. Als ihn auch noch eine Türsteherin nach draußen komplimentierte, zog der 31-Jährige den Gürtel aus der Hose. Er schlug nach ihr, traf aber nicht. Soweit alles unbestritten.

Sein Pech: Ein Teilnehmer des Junggesellenabschieds war verwandt mit einer der Beleidigten. Aus dieser Feier formierte sich eine Gruppe von drei bis vier "Kavalieren der Straße", die den 31-Jährigen verfolgten. Er hatte sich in die nahe Wohnung eines Kumpels verzogen. Dort trat die "Horde" (O-Ton Richter) die Tür ein und knöpfte sich prompt den Falschen vor: den Kumpel. Die Irritation nutzte der 31-Jährige, schlüpfte zur Tür hinaus und rannte Richtung ZOB, wiederum verfolgt von den "Junggesellen". Er setzte in seiner Panik sogar einen Notruf an die Polizei ab: Er werde verfolgt.

Nach elf Stunden Schicht

Irgendwo auf der Strecke muss sich der Spieß gewendet haben. Als die Polizei gegen 5.30 Uhr am "Dännereck" eintraf, kam ihnen einer aus dem Trupp der Angreifer entgegen, auf dem Fuß folgte der aufgebrachte Mann. "Wir haben wirklich alles versucht, jegliche Eskalation zu verhindern, und wir hatten auch schon elf Stunden Nachtschicht hinter uns", versichert einer der vier Polizisten.

"Das hat nicht so gefruchtet, wie wir uns das vorgestellt haben." Um eine tätliche Auseinandersetzung zu verhindern, stellte sich ein Beamter dazwischen. Der angetrunkenbe 31-Jährige sei unvermindert "außer Rand und Band" gewesen und habe den anderen angreifen wollen. "Da war nicht zu reden." Der Polizist wandte am Ende den Kopfhebel an und brachte den 31-Jährigen zu Boden, wo Fesseln angelegt wurden.

Anti-Aggressions-Training

Dabei schrie der junge Mann - auch das gestand er - unablässig eine ganze Palette von Schimpfwörter gegen die Polizisten. Diese hatten ihre liebe Müh', stoßenden Beinen und Ellbogen auszuweichen. Er strampelte so, dass er die Schuhe verlor.

In der Zelle der Inspektion strampelte er auch noch die Hose herunter. Bei der Polizei stand der morgendliche Schichtwechsel an. Schon beim Eintritt in das Gebäude hörte der Beamte der folgenden Dienstgruppe den tobenden Hausgast, der gegen die massiven Gitterstäbe geschlagen habe, dass diese vibrierten. "Das haben wir nicht jeden Tag."

Am Ende verurteilte das Gericht den 31-Jährigen zu einer Haftstrafe von acht Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Das Gericht verpasste dem Gelegenheitsjobber in der Gastronomie dazu ein Anti-Aggressions-Training und einen Bewährungshelfer. Richter Wedlich: "Beim nächsten kleinen Huster wandern Sie ins Gefängnis." Hintergrund für die Härte: In die Strafe floss eine Verurteilung vom Dezember 2014 ein. Im Juni 2014 hatte der Mann in der Bahnhofshalle zwei Frauen beleidigt. Als ihn zwei Bundespolizisten aus der Halle führten, kam es zur Rangelei auf der Treppe. Der Polizist stürzte mehrere Stufen auf den Gehweg hinunter. Das Kreuzband riss ab.

Der Einbruch der Junggesellen-Truppe in die Innenstadt-Wohnung war Rand-Thema. "Geklingelt haben die ja nicht", merkte Verteidiger Rouven Colbatz an. Der Polizist hatte damals eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung gemacht, das Verfahren wurde eingestellt. Am Donnerstag gab es mahnende Worte: "Was die sich geleistet haben, ist nicht zu billigen", sagte Staatsanwalt Rainer Lehner. "Nicht ohne", meinte auch der Richter.
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