Nicht stressen lassen

Erste Einblicke in Strategien zur Stressbewältigung gab Diplom-Psychologe Dr. Stefan Gerhardinger von der Caritas Beratungsstelle für seelische Gesundheit. An zehn Abenden will er dies in den kommenden Wochen vertiefen. Bild: Bühner

Unsere Umwelt können wir nicht verändern. Sehr wohl aber, auf welche Art sie auf uns einwirkt. Stress darf nicht zum Burn-out und dann zur Depression werden. Eine Kurs-Reihe der Volkshochschule will Rezepte dafür liefern.

(sbü) "Manchmal müssen wir unseren gewohnten Raum verlassen, um Lösungen für unsere Probleme zu finden", empfahl Diplom-Psychologe Dr. Stefan Gerhardinger. In den neuen Räumen der VHS Weiden referierte der psychologische Psychotherapeut über das Thema "Stress und dann ...". Die Veranstaltung war der Einführungsabend zum 10-teiligen Kurs "Der erfolgreiche Umgang mit täglichen Belastungen - ein Programm zur Stressbewältigung".

Den Ausgangspunkt für die zunehmenden psychischen Probleme der Menschen sieht Dr. Gerhardinger in der "Multioptionsgesellschaft, in der wir uns permanent entscheiden müssen und dadurch mehr Stress als früher haben". Auch sei bei vielen das Gleichgewicht zwischen Arbeit und Umwelt gestört. "Stress entsteht, wenn ich glaube, meine eigenen Ressourcen reichen nicht mehr aus, um die Anforderungen der Umwelt zu bewältigen." Er löse zahlreiche Reaktionen beginnend auf der geistig-kognitiven Ebene bis hin zum vegetativ-hormonellen, emotionalen und muskulären Bereichen aus. Bei anhaltendem Stress erschöpfe sich die Widerstandskraft des Menschen, so dass direkt oder indirekt Krankheiten ausgelöst werden.

Dr. Gerhardinger gab auch schon einmal einen ersten Einblick in die zahlreichen Stressbewältigungs-Strategien (ausführlicher würden diese im Kurs geübt). Zeitmanagement oder die Empfehlung "simplify your life" nennt er als Beispiele für Belastungsreduktion. Weitere Strategiegruppen seien überschrieben mit den Begriffen mit Entspannung, Ernährung, Sport- und Fitness, Einstellungsänderungen, Belastungsausgleich und sozialen Kompetenzen und Fertigkeiten.

"Die Welt bleibt so wie sie ist, aber wie ich ihr begegne, das kann ich beeinflussen", sagte der Psychologe. Prioritäten setzen, beide Hirnhälften nutzen und Widerstandsfähigkeit erarbeiten, lauten Beispiele des Empfehlungskatalogs. "Offline zu sein, haben wir schnell verlernt", stellte Dr. Gerhardinger auch fest.

Stress-Resistenz erhöhen

In zahlreichen Übungen will er an den Kursabenden bei seinen Teilnehmern die Stress-Resistenz erhöhen. Mit einem Übungsbeispiel hat er darauf am Einführungsabend Appetit gemacht. Im ruhigen Ansagetext einer Entspannungsübung fügte Dr. Gehardinger plötzlich die Ankündigung ein: "Wem ich bei meinem Rundgang an die Schulter fasse, der möge bitte ein Lied singen." Sofort konnten die Besucher des Abends ihre eigenen Stressreaktionen beobachten und diskutieren.
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