Nicht zur Fusion gezwungen

Gerhard Ludwig. Bild: Götz

Auch am Tag danach spricht Gerhard Ludwig, Vorstandssprecher der Volksbank Nordoberpfalz, "mit großen Bedauern" über die gescheiterte Fusion mit der Volks- und Raiffeisenbank Amberg. "Es hätte sich so viel Wichtiges um diese beiden Säulen der Wirtschaft entwickeln können."

"Ich bin traurig" gesteht Gerhard Ludwig im Gespräch mit dem NT. Er arbeitet am Mittwoch an einen Brief, in dem er den Vertretern der Bank die neue Situation erklärt. "Sicher, es geht weiter wie bisher: Wir sind mit allen Kräften für den Mittelstand da, ganz unabhängig von einer Fusion." Ludwig macht den Partnern aus der Vilsstadt, die die Fusion zwar angestoßen hatten, aber deren Gremien diese ebenso überraschend abgesagt hatten, keinerlei Vorwürfe. "Wir haben wohl den Fehler gemacht, den Gremien nicht genügend Zeit zu lassen, um sich mit dieser Heirat auseinanderzusetzen und anzufreunden."

Währenden die VR-Bank Amberg bei der Kreditvergabe eine zurückhaltende Geschäftspolitik verfolgt, begleitet die Volksbank Nordoberpfalz die Wirtschaft in der Region weiterhin offensiv, unterstreicht Ludwig. "Wir sehen uns nicht als Sammelstelle für Kunden-Gelder, um sie nach Frankfurt, England oder Italien weiterzuleiten. Wir wollen die Mittel wieder an die Wirtschaft und die Bürger zurückgeben - für Investitionen der Betriebe, für die Schaffung und den Erhalt von Arbeitsplätzen." Das gute Verhältnis zwischen den Vorständen beider genossenschaftlicher Banken werde unter der gescheiterten Fusion nicht leiden, versicherte der Banker.

Die Volksbank Nordoberpfalz unterhalte beste Beziehungen zu ihren Kunden. Auch deshalb habe sie zum 31. Oktober eine Bilanzsumme von einer Milliarde Euro erreicht. "Diese Arbeit setzen wir unbeirrt fort." Es sei schade, dass es nicht gelungen sei, mit der Fusion ein noch größeres genossenschaftliches Geldinstitut zu etablieren, das die Wirtschaft bei den Herausforderungen noch verlässlicher zu Seite hätte stehen können.

Gerhard Ludwig, seit 52 Jahren bei der Volksbank, stellt derzeit wichtige berufliche Weichen. Der 67-Jährige tritt zum 31. Dezember in den Ruhestand: Am Montag diskutiert der Aufsichtsrat über seine Nachfolge. Die Volksbank führt künftig ein dreiköpfiger Vorstand. Heute berät das IHK-Gremium Weiden über Ludwigs angekündigten Rückzug als Vorsitzender. Auch den Posten als Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Regensburg gibt Ludwig ab.

Vom Stopp der Fusionsverhandlungen "total überrascht" zeigte sich Jürgen Spickenreuther, der Präsident des Wirtschaftsclubs Nordoberpfalz. "Den beiden Partnern geht es gut. Sie sind nicht zur Heirat gezwungen. Der Leidensdruck ist noch nicht groß genug." Dennoch ist Spickenreuther überzeugt, dass die Banken auf Veränderungen der Rahmenbedingungen reagieren müssten: "Eine Tür schließt sich, andere öffnen sich."
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