Nichts für "Elefanten": Große Keramik-Ausstellung
Mit Samthandschuhen bei der Arbeit

Stefanie Dietz. Bild: Huber
(ca) Die Kisten sind ausgepackt, die Vitrinen füllen sich. "25 +" ist die Jubiläumsausstellung überschrieben, die das Keramikmuseum zum 25-Jährigen bis ins Frühjahr 2016 präsentiert. Gezeigt werden "Highlights" aus der Neuen Sammlung München, Kunstkeramik und Industriedesign aus dem Mutterhaus der Weidener. Sprich: ausnahmslos kostbare, zerbrechliche Unikate. Eröffnung ist am Sonntag, 5. Juli.

Welcher arme Teufel muss mit zitternden Fingern die rund 200 zerbrechlichen Leihgaben in die Vitrinen manövrieren?

Stefanie Dietz: Das ist Chefsache. In diesem Fall ganz die meines Kollegen Dr. Josef Straßer von der Neuen Sammlung. Diese Ausstellung ist sein Kind. Derjenige, der die Ausstellung erarbeitet hat, stellt in der Regel auch. Beim Aufbau dürfen nur Museumswissenschaftler und ein Team geschulter Museumstechniker und Restauratoren ran. Jeder hat seine Aufgabe. Wer Kisten schleppt, kommt nicht mit den Objekten in Berührung. Sie brauchen bei dieser Arbeit eine ruhige Hand - also keine körperliche Anstrengung vorher.

Man kann die Tassen ja schlecht einfach am Henkel packen?

Stefanie Dietz: Bewahre. Eine Grundregel ist, immer mit zwei Händen zuzugreifen und die Objekte ohnehin so wenig wie möglich anzufassen. Langsame Bewegungen. Wir tragen Handschuhe. Jeglicher Schmuck muss abgelegt werden. Es besteht immer die Gefahr, dass man anschlägt, etwa mit einem Ring. Alle arbeiten hochkonzentriert, es sollte möglichst keine Störungen geben.

Vor Jahren berichteten Medien, dass den Kollegen der Porzellansammlung im Dresdner Zwinger der Boden einer Vitrine abgestürzt ist. Ist Ihnen in Ihrer Karriere schon einmal etwas runtergefallen?

Stefanie Dietz: Zum Glück noch nie. Aber Unglücksfälle kommen vor.

Was ist das teuerste Exponat der Jubiläumsausstellung in Weiden?

Stefanie Dietz: Das möchte ich nicht beziffern. Aber es ist bekannt, dass wir hier im Haus Millionenwerte haben. Unter den Objekten für die Jubiläumsausstellung sind Stücke von Koryphäen der internationalen Keramikszene, teils aus Schenkungen, teils durch Ankäufe der Neuen Sammlung. Etwa diese tolle Schale von Lucie Rie - sie gilt als Picasso der modernen Keramik. Die britische Grande Dame der zeitgenössischen Moderne.

Ich dachte eher an alte Ägypter.

Stefanie Dietz: Das ist das Faszinierende dieser Ausstellung: Sie spannt einen tollen Rahmen. Keramikkünstler unserer Zeit treffen auf ihre Kollegen aus der griechischen Antike - auch hier haben wir schon Stücke mit Signatur, fast 3000 Jahre früher. Wobei nicht immer auf den ersten Blick erkennbar ist, was jetzt antik und was modern ist, wenn man sich einlässt und nicht auf die Beschriftungen schaut. Eine interessante Erfahrung. Übrigens auch im Sommer: Bei uns ist es immer kühl.

Wo bleiben Sie besonders gern stehen?

Stefanie Dietz: An der Vitrine mit den Objekten von Lucie Rie und Gerd Knäpper, der als Europäer in Japan erstaunliche Erfolg feierte. Diese Vitrine ist fast ein kleiner Altar. Ganz schlicht, nichts Spektakuläres. Das ist die hohe Kunst der Keramik.
Weitere Beiträge zu den Themen: Juli 2015 (8666)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.