Nie frei von Verantwortung

Wie schütze ich meinen Betrieb und meine Mitarbeiter: Das war Thema einer Tagung der Handwerkskammer. Rund 230 Handwerker hörten sich die Vorträge an. Bild: hfz

Über eine Million Arbeitsunfälle passieren in Deutschland pro Jahr. "Das Handwerk ist mit über einem Drittel davon der am meisten betroffene Wirtschaftsbereich", betonte Franz Greipl, Vizepräsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, die Dringlichkeit des Themas.

Um Betriebe davor zu schützen, führt die Handwerkskammer die Veranstaltungsreihe "Betriebsführung aktuell 2015" mit dem Thema "Arbeitssicherheit im Handwerk - wie schütze ich meinen Betrieb und meine Mitarbeiter" an zwölf Standorten in Ostbayern durch. Zur Weidener Veranstaltung in der Max-Reger-Halle kamen rund 230 Handwerker, um sich konkrete Tipps und Hilfestellungen zu diesem wichtigen Thema zu holen.

Auf Berufe gleich verteilt

"Auffällig ist, dass innerhalb der Handwerksberufe nicht nur die vermeintlich gefährlichen Branchen tangiert sind", so Greipl. "Unfallstatistiken beweisen eine fast gleichmäßige Verteilung auf alle Berufe." Ein Unfall könne dem Betrieb schwere Schäden zufügen: neben den Sorgen um den Mitarbeiter seien das auch harte wirtschaftliche Folgen, verursacht durch Personalausfall, Vertragsstrafen, Umsatzeinbrüche oder Liquiditätsprobleme.

Klarheit in den "Vorschriftendschungel" brachte Reinhard Gaber, Arbeits- und Sozialrechtsberater der Kammer. Rechtliche Pflichten gebe es im Arbeitsschutz viele. "Der Gesetzgeber nennt den Unternehmer als ersten Verantwortlichen für den Arbeitsschutz", stellte Gaber klar. "Doch es gibt die Möglichkeit, Aufgaben an geeignete Personen zu delegieren." Frei von Verantwortung sei ein Unternehmer aber nie. "Verstöße gegen die arbeitsrechtlichen Pflichten können weitreichend sein." Handelt ein Mitarbeiter vorsätzlich, habe der Arbeitgeber das Recht auf Abmahnung bis hin zur Kündigung. "Außerdem haftet der Angestellte dann auf Schadensersatz."

Bei einem Unfall werde zuerst die Schuldigkeit des Unternehmers geprüft, sagte Hans Wirth, stellvertretender Leiter Prävention bei der Berufsgenossenschaft BAU. "Fragen Sie sich also immer: Kann ich guten Gewissens sagen, dass ich nicht schuld bin?" Seit 1996 fordere der Gesetzgeber von jedem Unternehmer, eine "Gefährdungsbeurteilung" zu erstellen. "Oft werden Betriebe erst nach einem Unfall aktiv." Eine Gefährdungsbeurteilung funktioniere vorausschauend.

Das Ziel der schriftlichen Analyse sei es, alle physischen und psychischen Gefährdungen zu ermitteln, zu beurteilen sowie Unfall- oder Erkrankungsursachen frühzeitig zu beseitigen. "Mein Tipp: sprechen Sie mit Ihren Mitarbeitern darüber, sie kennen meistens die Gefahrenquellen, die in Ihrem Betrieb lauern." Vor allem dürfe es nicht bei einer "Erst-Beurteilung" bleiben. Stattdessen müsse man bei Veränderungen im Betriebsablauf oder nach der Anschaffung neuer Maschinen seine Ergebnisse immer wieder anpassen.
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