Nischendenken bereitet Kopfweh

Inge Aures und Oskar Salfetter überreichen Georg Zug die Urkunde für 65-jährige Treue zur Gewerkschaft. Rechts im Bild Alexander Gröbner, der für 25 Jahre geehrt wurde.

Für die allermeisten Menschen bedeute Arbeit nicht nur Broterwerb, sondern Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, Selbstbestimmung und Anerkennung. Das hob Landtagsvizepräsidentin Inge Aures bei der Verdi-Jubilarehrung hervor.

Weiden. (uz) "Wir haben gut daran getan, dass wir in der Nachkriegszeit große und starke Gewerkschaften hatten und keine zersplitterten Gruppen", erklärte Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht (CSU) am Samstagnachmittag bei der Verdi-Jubilarehrung im Lehnersaal. "Das jetzige Nischendenken halte ich schon für sehr bedenklich."

Regionsvorsitzender Oskar Salfetter würdigte die jahrzehntelange Zahlungsbereitschaft der Jubilare. Gewerkschaftliche Solidarität fordere auch eine gewisse finanzielle Ausstattung. MdB Uli Grötsch (SPD) sagte, dass jeder Pfennig und jeder Cent an Beitragsleistungen gut angelegtes Geld sei. "Der Bundestag spürt schon, wenn eine große Gewerkschaft hinter einer Forderung steht."

MdL Annette Karl (SPD) bedauerte wie Rupprecht den aktuellen Trend zu Spartengewerkschaften. "So ist man nicht stark genug." Weitere Grußworte sprachen die neue Vorsitzende des Verdi-Bezirks Oberpfalz, Petra Graf, und SPD-Stadträtin Brigitte Schwarz. Sie überbrachte die Grüße des Oberbürgermeisters.

In ihrer Festansprache bezeichnete die Vizepräsidentin des Bayerischen Landtags, MdL Inge Aures (SPD), die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer als die "Basis der SPD". Dabei unterstrich sie auch die engen Verflechtungen von Gewerkschaft und ihrer Partei. Allerdings: "Natürlich ist die SPD keine Gewerkschaftspartei."

MdL Aures sprach von einem soliden Arbeitsmarkt, hinter dessen Kulissen es aber erheblichen Handlungsbedarf gebe. Ein Beruf stifte Identität. Für die allermeisten Menschen bedeute Arbeit eben nicht nur Broterwerb, sondern Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, Selbstbestimmung und Anerkennung. "Unser Wohlstand beruht darauf, dass mit guter und harter Arbeit handfeste Werte geschaffen werden."

Der zentrale Wettbewerbsvorteil des rohstoffarmen Deutschlands seien seine gut ausgebildeten Arbeitskräfte. In der Vergangenheit habe das Land allerdings in vielen Bereichen einen Prozess der massiven Entwertung von Arbeit erlebt. "Arbeit wird in vielen Bereichen schlecht bezahlt, gute Tariflöhne gehören gerade in Ostdeutschland oft eher zur Ausnahme als zur Regel." Die SPD habe in ihrem Regierungsprogramm im vergangenen Jahr wichtige Wegmarken für eine Verwirklichung guter Arbeit gesetzt. Zum einen die Bekämpfung des Missbrauchs von Leiharbeit, zum anderen die Verbesserung der Qualität der Arbeitsbedingungen. Der gesetzliche Mindestlohn sei ein Meilenstein in der deutschen Wirtschafts- und Sozialgeschichte.
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