Nur der Dialekt unterscheidet

Die Eckpunkte der Scharnagl-Bebauung setzen die denkmalgeschützten Anwesen Johannisgasse 7 (links) und 17 (rechts) mit ihren Anbauten, dazwischen die sechs Bürgerhäuser. Skizze: Käsler (HTK)

Die Städtepartnerschaft war blutjung, als sich die Firma Scharnagl entschloss, nach Annaberg-Buchholz zu gehen. Inzwischen beschäftigt Scharnagl 120 Mitarbeiter im Baubetrieb im Erzgebirge, hat in der Weidener Partnerstadt rund 400 Wohnungen errichtet. Im Jubiläumsjahr startet Scharnagl ein Großprojekt.

(wd) "Hätte es die Partnerschaft nicht gegeben - wir wären nie nach Annaberg-Buchholz gekommen", gesteht Firmenchef Jürgen Scharnagl. Bereits zwei Jahre nach der Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrags konnte er den ehemaligen Baubetrieb für Gebäudewirtschaft der Stadt Annaberg übernehmen und zu einer leistungsorientierten Firma umstrukturieren. "Das ging nicht von heute auf morgen und war auch nicht einfach, weshalb in den Anfangsjahren Poliere von West nach Ost auf die Baustellen geschickt wurden", erinnert sich Scharnagl.

Die Mitarbeiter der jungen Niederlassung erwiesen sich als sehr engagiert und lernwillig: "Heute stellen wir keinen Unterschied mehr zwischen Mitarbeiten in Weiden und Annaberg fest, was Leistung und Qualität angeht. Nur der Dialekt unterscheidet sich noch. Im Gegenteil, die Bereitschaft für Arbeit in den Westen auf Montage zu gehen, ist für fast alle Arbeitnehmer selbstverständlich." Auch das Leistungsprofil der beiden Scharnagl-Betriebe in Weiden und Annaberg-Buchholz sei identisch.

Großprojekt und Jubiläum

Das erzgebirgische Unternehmen beschäftigt etwa 120 Mann. Rund 60 davon sind in den alten Bundesländern tätig. Sie pendeln wöchentlich zwischen Ost und West. "Grund dafür sind Überkapazitäten am Bau und geringere Investitionen von Staat und Gewerbe im Osten", betont Jürgen Scharnagl. Sein Betrieb habe in den letzten Jahren etwa 400 Wohneinheiten in Annaberg errichtet und somit die städtebauliche Gesamtentwicklung der Stadt wesentlich mitgeprägt, unterstreicht der 49-Jährige, der selbst seit 23 Jahren von Weiden nach Annaberg pendelt.

2017 feiert Scharnagl das 25-Jährige in Annaberg. Rechtzeitig dazu soll das Projekt Johannisgasse weitgehende abgeschlossen sein, in das rund zehn Millionen Euro fließen. Zeitgleich mit dem 25-jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft beginnt die Unternehmensgruppe in Annaberg ein Großprojekt, das die Innenstadt aufwertet. "Wir beginnen jetzt im September mit der Sanierung der beiden Häuser in der Johannisgasse 7 und 17", kündigt Jürgen Scharnagl an. Beide Anwesen, die aus dem Jahr 1912 bzw. 1886 stammen, stehen unter Denkmalschutz. Die Sanierung der Gebäude bezuschusse der Freistaat Sachsen mit Städtebaufördermitteln.

Im Bestandsgebäude Johannisgasse 7, das eine prächtige Porphyrfassade zeigt, wird in den beiden unteren Geschossen zu einem Pflegeheim (17 Plätze) umgebaut. In den oberen Etagen entstehen sieben große Wohnungen. Alle Einheiten erhalten einen neuen Aufzug. Die Investitionssumme ist hier auf rund drei Millionen Euro veranschlagt. "Wir beginnen gerade mit dem Entrümpeln." Unmittelbar daran schließt ein neues Gebäude an, dessen Nutzung mit Tages- und Kurzzeitpflege sowie ambulantem Pflegedienst im Erdgeschoss an das Pflegeheim angebunden ist. In den oberen Etagen sind elf große Wohnungen geplant.

Am anderen Ende des Scharnaglprojekts, im denkmalgeschützten Doppelanwesen Johannisgasse 17, sind nach der Sanierung eine Anwaltskanzlei und darüber fünf Wohnungen vorgesehen. Zwischen den beiden "Ecken" liegt ein freier Platz: Die Stadt Annaberg hatte die Grundstücke abgeräumt. Scharnagl sah zunächst eine bis zu sechsgeschossige Wohnbebauung vor. "Das wäre aber zu massiv gewesen." Inzwischen hat er mit Architektin Barbara Käsler und ihren Team umgeplant: Auf dem Grundstück Johannisgasse 9 bis 15 werden sechs großbürgerliche Altstadthäuser (bis 230 Quadratmeter Wohnfläche) gebaut. Dahinter und darunter liegt die Tiefgarage (27 Parkplätze).

Von der "Marktfähigkeit" seines Projekts ist Scharnagl überzeugt: "Auf der einen Seite die Fußgängerzone, Theater, Museum in der Nähe. Und auf der anderen Seite der herrliche Blick ins Sehma-Tal. Was kann's Schöneres geben?" (Hintergrund)
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