Nur noch junge Familien fehlen

Manches wird klarer. So wissen die Mitglieder von Calendula, wo und mit wem sie ihr MehrgenerationenWohn-Projekt verwirklichen können. Sie erkennen aber auch die Defizite: Gerade die "Generation unter 40" fehlt, und darum wirbt Vorsitzende Sabine Schütte um junge Familien, die das Leben im Haus bereichern.

Bereits 2009 gründete sich der Verein, der 16 Mitglieder zählt und dessen "harter Kern" sich kaum verändert. Beharrlich halten sie am Vereinszweck fest: Sie wollen ein Mehrgenerationenhaus in Weiden etablieren. Und nun scheinen sie in ihrer sechsjährigen Geschichte ihrem Ziel noch nie so nah wie heute: Mit der Fides Wohnungsbaugenossenschaft aus Weiden haben sie einen leistungsfähigen Partner an der Seite. Die Fides, 2002 gegründet, investiert jährlich rund acht Millionen Euro. So entstanden in Neunkirchen eine Reihenhaus-Anlage und in der Brenner-Schäffer-Straße (Naabwiesen) vier Mehrfamilienhäuser mit je 14 Wohnungen.

Grundstück gefunden

In Workshops glichen Calendula und Fides Forderungen, Wünsche und Möglichkeiten ab. Ergebnis: Sie "können miteinander". Erste Erfahrungen konnten die Bau-Laien beim jüngsten Fides-Projekt in der Leuchtenberger Straße (30 Wohnungen) sammeln. Wie werden Pläne umgesetzt? Was ist energieeffizientes Bauen? Was kosten Sonderwünsche? Und wie wirken sie sich auf Kosten und den Fertigstellungstermin aus?

Gemeinsam gingen Sabine Schütte und Fides-Vorstand Gunnar Hackl auf Grundstücksuche. Nach vielen Enttäuschungen scheint nun ein Bauplatz gefunden, der sich geradezu ideal eignet: innenstadtnah und gut 3000 Quadratmeter groß, mit Ärztehaus, Verbrauchermärkten, Fitness-Studio, Wasser und viel Natur in unmittelbarer Nähe. Einen Park mit drei Punkthäusern stellt sich Hackl vor. Gut 30 Wohnungen, vom 35 Quadratmeter großen Appartement bis hin zur modernen Dachterrassenwohnung mit über 100 Quadratmetern, könnten entstehen.

Zwei Drittel der Einheiten, ergänzt um Gemeinschaftsräume, will Calendula belegen. Dafür bietet gerade eine Baugenossenschaft individuelle Lösungsansätze bei der Finanzierung: vom direkten Kauf der Wohnung (etwa 2700 Euro pro Quadratmeter) bis hin zur Voll-Miete. Dazwischen liege, hier spricht Hackl von einem Hybridmodell, die Möglichkeit, Geschäftsanteile der Baugenossenschaft zu erwerben. Vorstellbar sei hier, dass für den Quadratmeter Wohnfläche 700 Euro "angezahlt" werde und die Miete dadurch spürbar sinke. Zugleich könne der "Teil-Eigentümer" die Wohnung bei einem Umzug schnell abgeben, indem er seine Geschäftsanteile an die Genossenschaft veräußere. "Jeder kann sich nach seinen Vorstellungen und Möglichkeiten einbringen", meint Hackl.

Leben organisieren

Inzwischen gibt es reichlich Erfahrung mit Mehrgenerationen-Wohnen, betont Schütte. "Immer ging übrigens die Initiative von der älteren Generation aus. Die Jungen kamen überall erst später dazu." In München, Landshut oder auch Regensburg funktionierten die Modelle am besten, wenn ein unabhängiger Ansprechpartner in den Häusern das Zusammenleben organisiere und "moderiere". Dieser Aufgabe wolle sich Calendula stellen.

Dreh- und Angelpunkt sei derzeit aber, auch die junge Generation für das neue Wohn- und Lebenskonzept zu begeistern. "Was machen wir mit den zwölf Frauen, die gerne Leihoma sein würden, wir aber keine Kinder im Haus haben", fragt die Vereinsvorsitzende. Junge Väter würden benötigt, um eine Schraube reinzudrehen oder eine Glühlampe auszutauschen. Bedingung für ein wunderbares Zusammenleben sei allerdings, dass jede Generation der anderen gegenüber die gemachten Zusagen einhalte. Schütte zeigte sich überzeugt, dass nun das Projekt an Eigendynamik gewinne. "Wir brauchen den Anfang - mit jungen Mitgliedern."
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