Ohne Lehrling keine Konditorei

Nach acht Jahren als Pächter des Cafés Büttner ist für Reinhard Schlager Schluss. Im Juli schließt er das Geschäft und die Konditorei an der Sedanstraße. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Seit über 60 Jahren kommen Stammgäste und Laufkundschaft in das Traditionscafé Büttner. Brautpaare und Geburtstagskinder bestellen in dem Laden an der Sedanstraße ihre Torten. Auf die süßen Köstlichkeiten von Konditormeister Reinhard Schlager müssen die Kunden allerdings ab Juli verzichten. Denn der Pächter hört auf. Ob und wie das Geschäft fortgeführt wird, steht noch nicht fest.

"Zum einen sind es gesundheitliche Gründe und zum anderen finde ich einfach keine Lehrlinge mehr", erklärt Schlager seinen Rückzug. 2012 hatte er zuletzt eine Auszubildende eingestellt, seitdem ist es vorbei. Trotz Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur blieb die Suche erfolglos. "Man bekommt einfach keine Lehrlinge mehr. Bei den Gastronomie-Berufen ist es sehr schwierig." Zu den zwei genannten Gründen komme noch dazu, dass wegen des geplanten Einkaufszentrums demnächst eine große Baustelle vor dem Café sein werde. "Dies hat mir die Entscheidung erleichtert", bekennt der 51-Jährige.

Insgesamt sei in den vergangenen Jahren die Arbeitsbelastung immer größer geworden. Da der Konditormeister keine Lehrlinge mehr hat und täglich öffnet, arbeite er mittlerweile 80 Stunden in der Woche. "Das geht einfach an die Substanz. Vor dem Weihnachtsgeschäft hatte ich fast ein bisschen Angst." Auch seine Frau Sigrid steht jeden Tag mit im Laden. Für Schlager steht fest: "Ich will künftig einfach weniger arbeiten."

Das Café Büttner blickt auf eine 63-jährige Geschichte zurück. 1952 eröffnete Ludwig Büttner das Geschäft an der Sedanstraße. Als dieser 1968 verstarb, übernahm es die Familie Schreiber. 2007 folgte Reinhard Schlager. Wobei der Konditormeister den Laden bestens kannte. Schließlich lernte er ab 1978 im Café Büttner. Bis er zu seinen Wurzeln zurückkehrte, sammelte Schlager nach der Lehre Erfahrung bei Betrieben in Ulm, Weilheim und Bad Steben. "2007 hab ich dann zufällig eine Anzeige gelesen, dass das Café zu verpachten ist", erinnert er sich. War sein Vorgänger vor allem für seine Nuss-Torte, Bananenschnitten und Hahnenkämme bekannt, sind die Spezialitäten von Schlager seine verschiedenen Strudel und das Weihnachtsgebäck.

Viele Stammkunden

"Von dem Laden kann man leben. Er wird hauptsächlich von den Stammkunden getragen", macht der 51-Jährige deutlich, dass sein Rückzug nichts mit wirtschaftlichen Gründen zu tun hat. Daher hofft er noch immer, dass sich ein Konditormeister findet, der das Geschäft übernimmt. Einrichtung und Maschinen seien in gutem Zustand. Das Haus gehört der Erbengemeinschaft Büttner. Auf Nachfrage gab diese an, dass noch nicht feststehe, wer die Räumlichkeiten übernehme.

Der nahende Abschied beschäftigt den Windischeschenbacher: "Den Laden aufzugeben, fällt mir vor allem wegen der Stammgäste sehr schwer." Den direkten Kontakt zu den Kunden werde er vermissen.
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