Operateur am Steuerpult

Hocherfreut beobachtet Prof. Dr. Clemens Bulitta (stehend), Organisator des Kaminabends an der OTH, dass der Chefarzt der Chirurgie am Weidener Klinikum, Professor Dr. Karl-Heinz Dietl (sitzend) das Operationssystem genau studiert. Vielleicht gibt es das auch bald in Weiden. Bild: sbü

Die Medizintechnik entwickelt in rasanter Fahrt immer neue Anwendungsmöglichkeiten. Zunehmend werden dem Arzt technische Assistenzsysteme zur Seite gestellt. Für den Patienten wird mancher Eingriff immer schonender und risikoloser. Minimalinvasive Operation heißt der Fachbegriff. Beim Kaminabend präsentierte die OTH jetzt das System "da Vinci Xi".

(sbü) Zunächst hielt sich Professor Dr. Karl-Heinz Dietl, Chefarzt der Chirurgie am Weidener Klinikum, lange im Hintergrund, als das Operationssystem "da Vinci Xi" von der Firma "IntuitiveSurgical" an der OTH präsentiert wurde. Doch auf Bitten unserer Zeitung setzte sich der erfahrene Chirurg an den Steuerungstisch der Anlage. Als wir uns verabschiedeten, saß er noch immer dort und bewegte die Steuerungsgriffe. Was ihn offensichtlich faszinierte ist ein Operationssystem, das von Professor Clemens Bulitta, Leiter des Instituts für Medizintechnik an der OTH in Weiden, als "robotisches Assistenzsystem" bezeichnet wurde.

"Wie lange noch?"

Es besteht aus drei großen Elementen: Rechner und Bildschirm, Steuerpult und der roboterähnlichen Operationsmechanik. Zwei Tage lang konnten Ärzte, medizintechnische Experten und Studenten die Anlage kennenlernen. Nicht mehr der Chirurg steht am Patienten und operiert, sondern der Instrumentenarm. Meist sind nur wenige Einstiche erforderlich, deshalb sprechen die Fachleute von "minimalinvasiver Operation". Exakte und scharfe Bilder aus dem "Innenleben des Patienten" zeigen am Bildschirm den Verlauf der Operation. Der Chirurg steuert am Bedienungspult die Vorgänge. Von den zahlreichen Zuhörern der Präsentation war allerdings die Frage zu hören "Wie lange noch?".

Zu erfahren war auch, dass in Deutschland bereits 90 dieser Systeme, einschließlich aller Vorgängerversionen, im Einsatz sind. Weltweit seien es sogar 3500. Die Produkt-Unterlagen des Herstellers zeigen, dass das System für eine weite Spannbreite verschiedenster Operationen eingesetzt werden kann. Und Professor Dietl signalisierte, dass der "da Vinci Xi" auch auf seiner Wunschliste für das Klinikum in Weiden stehe.

Im ersten Teil des Kaminabends referierte Roland Herterich vom Beratungsunternehmen "Exevia" über Marktforschung im Gesundheitswesen und in der Medizintechnik. Eine seiner Kernaussagen war, dass der gesamte Lebenszyklus eines Produkts systematisch durch Marktforschung begleitet werden sollte. So könnten strategische Fehlentscheidungen oder das Scheitern eines Produkts am Markt vermieden werden. Herterich zeigte auch auf, dass der Markt für medizintechnische Produkte sehr komplex sein. "Therapieentscheider, Kostenträger und Patienten" hätten den größten Einfluss. "Auch große Player machen oft Fehler und erkunden den Markt nicht systematisch" sagte der Experte. Marktforschung müsse Teil der Unternehmenssteuerung sein und so in alle Prozesse eingebettet werden.

Dass die Medizintechnik in zunehmendem Maße traditionelle Behandlungsmethoden ablöse, sei ein deutliches erkennbares Marktsignal. Als Beispiel nannte Herterich die Glukosesensoren, anhand derer Diabetiker mit einem Scanner ihren Blutzucker messen könnten.
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