Orthopädieschuhmacher Stefan Fuchs betreibt wohl älteste Werkstatt der Gegend
Schusterei fußt auf Tradition

Wenn sich Orthopädieschuhmacher Stefan Fuchs nicht um Absätze kümmert, betreut er zum Beispiel 19 Jugendliche in der Schützengesellschaft Alpenrose. Auch mit seiner Schuhmacherei landete der 50-Jährige einen Volltreffer: Die Nachfrage nach dem Handwerk, das seit über 80 Jahren in der Johannisstraße vertreten ist, ist groß. Bild: kzr
Wer seinen Absatz abgelaufen oder bei den High Heels einen Hacken verloren hat, wer sich über den kaputten Klettverschluss an der Tasche ärgert oder den Gürtel enger schnallen will, sucht bei ihm Hilfe: Stefan Fuchs. Von seiner Schuhmacherei in Weidens "kleinem Gässchen", der Johannisstraße, behauptet er: "Sie dürfte die älteste Schusterei in dieser Gegend sein", sagt Fuchs. Weit über 80 Jahre existiere dieser handwerkliche Betrieb bereits in dem Haus Nummer 25. Allein schon die Kasse von 1930 verweist auf die lange Tradition. "Es ist nun der fünfte Schuhmacher in diesen Räumen."

Stefan Fuchs, der kürzlich 50 Jahre alt geworden ist, hat Orthopädieschuhmacher in Regensburg gelernt. Bei verschiedenen Schuhmachereien und -reparaturwerkstätten in Deutschland bildete er sich fort. Als er in Weiden vor 20 Jahren bei der Orthopädie Vogel arbeitete, saß ihm seine Arbeitskollegin Evelyn gegenüber. Stefan Fuchs verguckte sich in die Kollegin. Sie heirateten. Drei Jahre später übernahm er mit seiner Frau die Schuhmacherei Kammerer in eben dieser Johannisstraße.

"Sekundenkleber kenne ich hier nicht", sagt Fuchs über seine Reparaturkünste. Gutes Handwerk spricht sich herum. "Die Kunden kommen nicht nur aus Weiden. Vielleicht auch deswegen, weil wir auch Reitstiefel reparieren - von einer Naht bis hin zu Schuhsohlenreparaturen." Überhaupt habe Fuchs oft sehr hochwertiges Schuhwerk zu bearbeiten. "Was öfter vorkommt, ist, dass gerade unsere älteren Kunden, die Wiederherstellung oder Reparatur alter bequemer Schuhe wünschen. Die Herrschaften sind nicht selten über 80 Jahre alt und wollen ihre geliebten Schuhe nicht missen", erzählt er. "Es weiß eben niemand besser, wo der Schuh drückt, als der, der ihn trägt." Reparaturen dauern übrigens zwei Tage. "Wir sind der Meinung, dass sich schnell und ordentlich bei Schuhreparaturen nicht verbinden lassen." Auch die Herstellung von Gürteln aus echtem deutschen Kernleder beherrscht Fuchs.

Schade findet der Orthopädieschuhmacher, der sich in seiner Freizeit beim CSU-Ortsverband Lerchenfeld und als Internetbeauftragter bei der Siedlergemeinschaft Krumme Äcker engagiert und passionierter Schütze ist, dass sein Beruf ausstirbt: "Es finden sich keine Lehrlinge." Dafür helfen Fuchs Kinder Julia (15) und Alexander (13) ab und an mit. Denn zu tun gibt es reichlich: "Reparaturen sind halt oft billiger, als ein neues Paar Schuhe." Wäre da nur nicht der viele Papierkram. Aber auch den bewältigt Fuchs mit einem Lächeln. Auf die Frage warum, antwortet Fuchs mit der Gegenfrage: "Wer kann schon den ganzen Tag mit seiner Frau zusammenarbeiten?"
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