Partnerstadt Annaberg-Buchholz ernennt Pastor i. R. Thomas Fritzsch zum Ehrenbürger
Kirche für Widerstand geöffnet

26 Jahre nach den Friedensgebeten, die Thomas Fritzsch ermöglichte, ernannte der Annaberg-Buchholzer Stadtrat den ehemaligen Pastor zum Ehrenbürger. Bild: Wilck
Er trotzte den Warnungen, folgte mutig seinem Gewissen und öffnete für das "Neue Forum" die Türen seiner Kirche. Bereits im November 2014, noch unter Oberbürgermeisterin Barbara Klepsch, beschloss darum der Annaberg-Buchholzer Stadtrat, Pastor i. R. Thomas Fritzsch die Ehrenbürgerwürde zu verleihen. Der Festakt im Eduard-von-Winterstein-Theater war am Samstag der Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft.

Mit Jürgen Thiele und André Brückner blieb es den Sprechern des "Neuen Forums" Annaberg-Buchholz vorbehalten, die Laudatio auf den mutigen Geistlichen zu halten, der am 4. November 1989 in die Evangelisch-Methodistische Kirche zum 1. Friedensgebet einlud. Die Kirche fasste nur 500 Menschen. Der Vorplatz war überfüllt, denn mindestens 7000 Bürger kamen. Sie formierten sich zu einer machtvollen friedlichen Demonstration - vorbei an der SED-Kreisleitung - hin zum Rathaus

Die beiden Laudatoren erinnerten an die wichtigsten Parolen auf den Transparenten: "Wir sind das Volk", "Wir bleiben hier", "Neues Forum zulassen", "Stasi in den Tagebau" und "Freie Wahlen". "Immer wieder erschallte der Ruf "Keine Gewalt", berichteten Thiele und Brückner. "Kerzen waren unsere einzigen Waffen. Für uns ist und bleibt die friedliche Revolution ein Wunder." Sie wiesen aber auch auf Erscheinungen hin, die heute besorgniserregend seien: "Egoismus, Resignation oder Bequemlichkeit und Dienst nach Vorschrift machen sich breit. Wir vermissen oft den Willen und den Mut zur Gestaltung der Gesellschaft. Das beginnt schon mit der Nicht-Teilnahme an freien Wahlen. Dabei waren damals freie Wahlen unser wesentliche Forderung. Einfacher sind Stammtischparolen und Schuldzuweisungen. Was wir brauchen, ist die Bereitschaft zum Dialog - auf allen Seiten und eine Streitkultur, in der Hass und Menschenverachtung keinen Platz haben." Ausdrücklich dankten sie dem neuen Annaberg-Buchholzer Pastor für seinen Mut, seine Entschlossenheit und sein Gottvertrauen.

Oberbürgermeister Rolf Schmidt überreichte Urkunde und Siegelring. Thomas Fritzsch betonte, dass er großen Dank empfinde für alle, "die unsere Ideen unterstützt" haben. Blicke er auf sein Leben, auch auf die erlittenen Repressalien zurück, so sage er trotzdem "es ist gut so". "Wir haben den aufrechten Gang schon lange vorher probiert." In jenen Wochen habe er ein starkes Netzwerk mit Gleichgesinnten vorgefunden. "Das erst machte vieles möglich."
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