Partnerstadt trägt Trauer

Über 1000 Trauernde versammelten sich am Sonntag in der St.-Annen-Kirche in der Weidener Partnerstadt Annaberg-Buchholz. Sie gedachten der Opfer der Evangelischen Schulgemeinschaft Erzgebirge. Ein Vierjähriger wurde tödlich, 60 Schüler und 4 Lehrer teilweise schwerverletzt. Bild: dpa

Für den kleinen Theodor kommt jede Hilfe zu spät: Er stirbt noch am Unfallort. Der Vater des Vierjährigen wird mit schwersten Gesichtsverletzungen nach Jena geflogen. Auch die Mutter ist verletzt. Mit der Familie verunglücken am Freitag 60 Schüler aus der Weidener Partnerstadt Annaberg-Buchholz. Alle sind verletzt. 25 von ihnen schwer. Am Montag steht fest: Ihr Bus war zu schnell.

Die Weidener Partnerstadt trägt Trauer. Unfassbar ist das Unglück, das die drei achten Klassen der Evangelischen Schulgemeinschaft Erzgebirge trifft. Die 60 Jugendlichen und ihre vier Betreuer sind auf der Rückfahrt von einer Sprachreise in England. Um 17 Uhr werden die Schüler von den Eltern in Annaberg-Buchholz zurückerwartet. Zwei Stunden zuvor passiert der Unfall auf der A 4 kurz vor Erfurt. Der österreichische Busfahrer überholt einen Lastwagen. Beim Einscheren zieht der Bus weiter nach rechts, gerät auf die Böschung, kippt um. Der vierjährige Sohn der stellvertretenden Schulleiterin, die die Reise seit 20 Jahren organisiert, wird tödlich verletzt. Die anderen schwerverletzten Kinder kommen in Kliniken in Erfurt, Weimar und Jena. Die, die leichter verletzt sind, lassen sich von den Eltern abholen.

Beim Gedenkgottesdienst am Sonntag strömen über 1000 Annaberg-Buchholzer in die St.-Annen-Kirche. Angesicht der Zerstörungen am Fahrzeug sei er dankbar, dass nicht noch Schlimmeres passierte, sagt Schulpfarrer Matthias Brand in seiner Predigt. Am Sonntagmorgen sind noch elf Teilnehmer der Fahrt im Krankenhaus. Nach einer zweiten OP ist auch ein Junge, um den noch gebangt wurde, außer Lebensgefahr.

Am Montag ist an Unterricht in der Schule noch nicht zu denken. Es ist ein "Raum der Stille" eingerichtet. Geistliche, Psychologen und das Kriseninterventionsteam des Erzgebirgskreises bieten Hilfe an. "Die Betroffenheit ist riesig, und sie wird auch morgen nicht verschwinden", betont Bau- und Wirtschaftsbürgermeister Thomas Proksch im Gespräch mit dem NT. "Unserer Stadt ist eine Tragödie passiert, die uns allen sehr nahe geht. Wir sind geschockt, seit uns diese schrecklichen Nachrichten erreicht haben und es ein Todesopfer zu beklagen gibt. "

Proksch ist am Samstag selbst als Helfer unterwegs: Er holt das Gepäck der Verunglückten aus Erfurt ab und ist tief bewegt: "Es ist schon ein Unterschied, den Bus im Fernsehen zu sehen oder ihn selbst zu betreten." Der Bürgermeister betont, dass die Evangelische Schulgemeinschaft bei der Bewältigung des dramatischen Geschehens höchst professionell gehandelt habe, um die Kinder und ihre Familien zu betreuen.

Gegen den Busfahrer (35) erhob die Staatsanwaltschaft am Montag - nach Auswertung des Fahrtenschreibers - Anklage wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung. Er war zum Unfallzeitpunkt mit 119 km/h unterwegs. Tempo 100 war dem Fernbus erlaubt.
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