Passt, wackelt und hat Luft

Ein paar Handgriffe am Drehrad eines Wasserschiebers und schon fließt das Amberger Trinkwasser. Lokalpolitisch turbulente zwei Jahre mussten überstanden werden, bis es für Ammerthals Bürgermeisterin Alexandra Sitter-Czarnec, ihren Amberger Amtskollegen Martin Preuß (links) und Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Stephan Prechtl so weit war. Bild: Huber

Zwei Bürger- und ein Ratsbegehren, ein Gang zum Verwaltungsgericht, heftigste lokalpolitische Anfeindungen und ein offenbar immer noch gespaltenes Dorf. Das ist der Preis, den Ammerthal für den Anschluss an das Amberger Trinkwasser-Netz zahlen musste.

Ammerthal. (zm) Da werden die rund 350 000 Euro, die die nötige technische Umrüstung kostet, eher zur Randnotiz. Zwischen Freude und Erleichterung bewegten sich gestern die Gemüter der Gäste der offiziellen Inbetriebnahme eines Pumpwerks, das den Anschluss der bisher eigenständigen Trinkwasser-Versorgung an das Netz der benachbarten Amberger Stadtwerke herstellt.

Der Bau braucht nicht mehr Platz als ein Kasten-Lieferwagen. Doch selbst über diesen Standort wurde bis zuletzt gestritten. Jetzt steht das Druckerhöhungs-Pumpwerk östlich des Dorfes an dem Weg Finkenmühle. Hier kommt das Trinkwasser aus Richtung Amberg an, wird mit einer Maximalkapazität von acht Litern pro Sekunde in den bestehenden Hochbehälter Viehberg gepumpt und von dort weiter verteilt. Mit deutlich geringerem Druck würde es auch eigenständig fließen. "Das haben wir schon ausprobiert, das passt alles", erzählte der planende Ingenieur Rainer Rubenbauer.

Auch er sah sich wie alle, die den Anschluss an Amberg wollten, heftigster Kritik von den Befürwortern einer weiteren Selbstständigkeit der Ammerthaler Trinkwasser-Versorgung ausgesetzt. Erschienen war aus diesem Lager am Mittwoch keiner. Der Wunsch von Pfarrer Klaus Haußmann, dass "nach großen Spannungen und der Spaltung" im Dorf nun "wieder Friede einkehrt", erreichte deshalb nur die Befürworter der jetzigen Lösung. Streit wegen Wasser, das ist für den katholischen Geistlichen nichts Neues. Er las aus dem 2. Buch Mose das Kapitel über den Zug der Israeliten durch die Wüste, als erst ein Gotteswunder ein drohendes Zerwürfnis wegen Wassermangel und Durst abwenden konnte.

Bürgerwille umgesetzt

Ein Wunder hatte Bürgermeisterin Alexandra Sitter-Czarnec zwar nicht nötig, einen "wunderbaren Tag" konstatierte sie dennoch. "Der Bürgerwille ist jetzt umgesetzt", kommentierte sie die Inbetriebnahme, und das sei "ein Sieg für die ganze Gemeinde". Ihr Amberger Amtskollege Martin Preuß sprach dem nun gelieferten Wasser aus überraschend "eine beruhigende Wirkung" zu und wünschte den Ammerthalern deshalb, dass "es sie etwas versöhnlicher stimmen möge". Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Stephan Prechtl machte es kurz. Sein Haus habe immer die Haltung vertreten, "wenn die Bürger das wollen, dann liefern wir gerne". So sei es gekommen, deshalb wolle er sich mit den Irritationen dazwischen nicht mehr aufhalten.
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