Pathologe im Dienst der Lebenden

Prof. Dr. Georg Röckelein auf der Treppe, die für den Transport der Schnellschnitte reserviert ist.
Lokales
Weiden in der Oberpfalz
24.09.2015
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Kein Krimi ohne Pathologen. Die Szenen mit den "Anwälten der Toten" am Seziertisch kennt jeder. Doch das Bild ist zu einseitig. "Wir arbeiten im Dienst der lebenden Menschen", betont Prof. Dr. Josef Giedl. Erstmals in der Geschichte seines Instituts öffnet er am Samstag die Türen seiner Pathologie für die Bürger.

Die enge Zusammenarbeit mit dem Klinikum Weiden macht schon der Standort der neuen Pathologie auf dem Areal des ehemaligen Augustiner-Seminars deutlich. Das Klinikum trat 2200 Quadratmeter ab. Gemeinsam mit Prof. Giedl und seinen Mitarbeitern, vor allem Laborleiterin Marion Meister, planten die Architekten Stefan Kunnert und Katja Stessmann das moderne Pathologische Institut. Dazu wurden alle Abläufe im Hause analysiert, Anregungen aus den fortschrittlichsten Pathologien eingeholt und umgesetzt. Kunnert bezeichnet die Weidener Pathologie als absolute Hightech-Einrichtung, die sich hin zur Molekular-Pathologie - "hinein in die Gene" - bewege. "Der Zoom der Pathologen wird immer größer."

Für die nächste Generation

Das Haus weist jeweils 570 Quadratmeter im Erdgeschoss (Labor) und erstem Obergeschoss (Verwaltung, Zytologie und Ärztetrakt), also für die Diagnostik sowie drei Wohnungen im zweiten Obergeschoss, aus. Im Untergeschoss werden die Gewebeproben 30 Jahre lang archiviert.

Das Institut läuft bereits im Vollbetrieb. "Was fehlt, ist einzig noch die künstlerische Ausgestaltung", betont Prof. Dr. Giedl. Er hat zwar einige persönliche künstlerische Akzente gesetzt. Doch die Vollendung überlässt er "der nachfolgenden Generation". Für die sei schließlich der Neubau des Pathologischen Instituts in Angriff genommen worden.

Am Samstag von 10 bis 14 Uhr gewähren Prof. Dr. Josef Giedl und sein fast 40-köpfiges Experten-Team, darunter auch Prof. Dr. Georg Röckelein, einen Einblick in ihre Arbeit. Sie führen die Gäste durchs Haus. An den Arbeitsplätzen findet sich eine Beschreibung der dort auszuführenden Aufgaben, kündigt Prof. Dr. Giedl an. "Das ganze Personal ist da." Die Besucher könnten die neuen Stellplätze nutzen, die das Klinikum auf dem Areal des Augustiner-Klosters geschaffen hat.

Im engen Kontakt

Die Gäste dürfen den Ärzten und Laborantinnen nicht nur über die Schulter, sondern auch durch die leistungsfähigen Mikroskope schauen. Vor allem aber will der Institutsleiter deutlich machen, dass seine Einrichtung "für die lebenden Menschen" von entscheidender Bedeutung sein kann.

Bei jeder Operation, in der der Verdacht auf "Gewebeveränderungen" geklärt werden muss, sind die sogenannten "Schnellschnitte" angebracht. Der Operateur entnimmt Gewebe, das im Sauseschritt in die Pathologie transportiert und dort untersucht wird. Drüben im Klinikum liegt der Patient noch in Narkose. Das OP-Team wartet auf das Ergebnis, von dem dann der weitere Verlauf des Eingriffs abhängig ist. Um keine Zeit für die Begutachtung der Gefrierschnittpräparate zu verlieren, erhielt das Institut sogar eine separate Treppe zum Ärztetrakt.
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