Pausch beteuert: Merkel nicht mit Hitler verglichen
Verhinderter Skandal

Beim Lesen der NT-Montagsausgabe "stockte mir der Atem", berichtet eine ehemalige CSU-Stadträtin, Mitglied der Partei seit mehreren Jahrzehnten. In einem Bericht über Ehrungen bei vier Ortsverbänden war ihr jenes Zitat von Fraktionschef Wolfgang Pausch aufgestoßen: "Demokratie ist nicht einfach. Aber dass nur einer entscheidet, das hatten wir schon einmal und das will keiner von uns mehr."

Für die Ex-Stadträtin ist das "eine totale Entgleisung" - "ja, ich schäme mich dafür". Egal, ob Pausch die Aussage "bewusst oder aus Dummheit" getätigt habe: "Beides ist für einen CSU-Funktionsträger inakzeptabel." Auch andere Leser reagierten irritiert und witterten einen Skandal, weil der CSU-Fraktionsvorsitzende vermeintlich Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Adolf Hitler verglichen hatte. Um Merkels Auftritt beim CSU-Parteitag und die Einschätzung der örtlichen Delegierten ging es schließlich in den ersten Absätzen des Artikels. Bezog sich Pausch aber mit dem Halbsatz "dass nur einer entscheidet" tatsächlich auf die Kanzlerin? Merkel als Diktatorin, die die Flüchtlingsfrage im Alleingang entscheiden will?

Der Redner selbst verneint auf NT-Nachfrage entschieden: Einen Bezug zur Bundeskanzlerin habe er "überhaupt nicht" herstellen wollen. "Sie war nicht gemeint." Stattdessen habe er rechten Parolen etwas entgegensetzen und den Wert des demokratischen Weges betonen wollen, auch wenn dieser mühsam sei: "Wir als CSU sind für Obergrenzen unterwegs, aber das muss man in einer Koalition natürlich diskutieren. Wir sind guter Dinge, dass wir am Ende zu einem Kompromiss finden." Pausch persönlich erhielt nach eigenen Angaben übrigens keine Reaktionen auf sein Zitat. Auch in der Versammlung habe ihn niemand darauf angesprochen.
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