Per Pedelec durchs Outback

Auch spannende Begegnungen mit Tieren hatte Maximilian Semsch auf seiner Australientour, wie die Motive seiner Postkarten belegen. Bild: Kunz

Zwei wichtige Erkenntnisse hat Maximilian Semsch aus seiner Reise vor drei Jahren gezogen. Eine davon ist: Eine Radtour rund um Australien sollte man nicht in Richtung Uhrzeigersinn machen. Er verriet seinen Zuhörern in der Max-Reger-Halle auch, warum.

Weiden. (uz) "Dann hast du nämlich von den 16 000 Kilometern wenigstens 7000 Kilometer krassen Gegenwind", erklärte er in seiner Multivisionsshow "Abenteuer Australien". Die zweite wichtige Erkenntnis: Ein Pedelec - also ein Rad, das den Fahrer per Elektroantrieb unterstützt - ist gewiss nicht die Vorstufe zum Rollator.

Ideales Fortbewegungsmittel

Semsch hält das Fahrrad für das beste Fortbewegungsmittel auf Reisen. Zum einen, weil man schneller vorankommt als ein Fußgänger. Zum anderen, weil es langsamer ist als ein Auto. Und weil man vom Rad aus die Umwelt viel intensiver für sich entdeckt. Der Globetrotter radelte 2012 auf seinem Pedelec auf dem Highway 1 komplett um den australischen Kontinent - von Sydney nach Sydney.

Was eine Testfahrt werden sollte, wurde zu einer Reise zum Ich. Semsch lernte unterwegs, dass man zum Glücklichsein nicht recht viel mehr braucht als das, was in vier Fahrradtaschen passt. Natürlich hatte der Münchener ein zweites Bike dabei. Außerdem fuhr seine Freundin, die er später vor dem Great Barrier Reef heiratete, das Begleitauto mit Proviant. Ferner hatte der Radler einen Kameramann mit dabei.

Der mehrteilige Film über die Reise wird derzeit im brasilianischen Fernsehen ausgestrahlt. Die Strecke führte den Biker über Adelaide und Perth nach Darwin und an der Golden Coast entlang zurück zum Ausgangsort Sydney. Für die Rundreise hatte er acht Monate eingeplant, die er aus Kostengründen auch unbedingt einhalten musste.

Während dieser Monate lebte er sehr einfach. Er schlief im Zelt unterm australischen Sternendach und fokussierte sein Dasein auf die Weite der Landschaft. Unterwegs gab's so Kuriositäten wie die längste gerade Strecke Australiens, die genau 146,60 Kilometer maß. "Ich brauchte von einer Kurve zur nächsten einen ganzen Tag." Ganz besonders lobte er die Gastfreundschaft der Australier. Auch wenn er mit seinem Rad oft belächelt worden sei, legte er Wert auf die Feststellung, dass er bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 25 Kilometern pro Stunde wenigstens 15 Stundenkilometer selber erstrampeln musste. Den Rest erledigte der Motor. Die Batterien wurden über eine Solarzelle aufgeladen, die Semsch in einem australischen Supermarkt gekauft und auf dem Autodach angebracht hatte.

Riesige Road-Trains

Im Großen und Ganzen verlief die Reise die Reise pannenfrei. Angsteinflößend seien die Road-Trains gewesen, gestand der Referent. Riesige Trucks mit bis zu vier Anhängern, die mit Getöse an ihm vorbeigerauscht seien. Natürlich hatte Semsch auch viele tierische Begegnungen - mit Kängurus, Emus, Salzwasserkrokodilen, Papageien, Spinnen und Stechmücken.

Oft sei er angeödet gewesen von der Monotonie der Landschaft, die nicht selten über Wochen dasselbe triste Bild abgegeben habe. Im Outback lagen zwischen den einzelnen Tankstellen meist mehr als 300 Kilometer. Keine Ansiedlung, keine Menschenseele. Dies änderte sich erst wieder, als Semsch die fruchtbare Ostküste erreichte mit ihrer wunderschönen subtropischen Vegetation. Am Ende hatte er sechs Kilogramm abgenommen.
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