Perinatalzentren müssen noch besser werden - Gespräch mit Klinikumsvorstand Josef Götz aus ...
Neue Regeln bringen Kliniken in Zugzwang

Der Streit um die Versorgung sehr kleiner Frühgeborener geht weiter: Nachdem die Einführung einer strengeren Mindestmengenregel (siehe Bericht unten) gescheitert ist, setzt der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) von Ärzten und Krankenkassen jetzt auf eine verbesserte Struktur- und Prozessqualität. Sie sieht unter anderem vor, das die Kliniken ab 2017 einen höheren Personalschlüssel erfüllen müssen, um weiter ein Perinatalzentrum der höchsten Stufe betreiben zu können. Was das bedeutet, besprachen wir mit Josef Götz, Vorstand der Kliniken Nordoberpfalz.

Wie stehen Sie zu den neuen Qualitätskriterien des GBA für die Versorgung von Frühgeborenen?

Götz:Diese sind nicht zu kritisieren, wir begrüßen das und stehen voll und ganz dahinter.Die Qualität muss überprüft werden, das wird auch gemacht. Was uns stört ist, dass wir Kliniken letztendlich auf den Kosten sitzen bleiben. Das ist unfair.

Inwiefern?

Götz: Wir müssen künftig pro behandlungsbedürftigem Kind je eine Pflegekraft nachweisen. Außerdem müssen ein Kinderchirurg und ein Kinderkardiologe binnen einer Stunde abrufbereit sein. Das kostet natürlich Geld, das im Entgelt der Kassen für uns noch nicht enthalten ist. Bis dieser Mehraufwand einkalkuliert ist, wird es ungefähr zwei Jahre dauern. Und wir reden hier von Millionenbeträgen.

Die Kritiker der kleineren Perinatalzentren führen unter anderem an, dass dort die Behandlungsroutine fehle. Es komme zur "Gelegenheitsversorgung".

Götz: Das kann man so nicht sagen. Die Kinder haben ja sehr lange Verweilzeiten auf der Station. Sie bleiben mitunter nach der Geburt noch für weitere 150 bis 180 Tage im Klinikum. Deshalb sollte das Perinatalzentrum Nordoberpfalz auch erhalten bleiben. Die Eltern sollen den Kontakt zu ihren Kindern halten können, ohne weite Anfahrten in Kauf nehmen zu müssen. Es wäre eine erhebliche Belastung und extrem schwierig, wenn Eltern aus der nördlichen Oberpfalz täglich bis nach Regensburg oder Nürnberg fahren müssten. Außerdem kommt es ja auch spontan zu Frühgeburten, da braucht es eine schnelle Versorgung. Der Freistaat hat Verbundzentren wie unseres auch deshalb zugelassen, weil wir ein Flächenstaat sind.

Wie wollen Sie die geforderten Qualitätsansprüche erfüllen?

Götz:Die Kliniken in Amberg und Weiden arbeiten innerhalb des Perinatalzentrums Nordoberpfalz bereits jetzt ganz eng zusammen. Das geht sogar so weit, dass wir eine übergeordnete Leitung haben. Sämtliche Behandlungsstandards werden hausübergreifend optimiert. Bei Bedarf tauschen wir auch Personal aus und nutzen Spezialgeräte gemeinsam. Hospitanzen stellen sicher, dass Ärzte, Pflegepersonal und Hebammen sich in beiden Häusern auskennen. Im Moment schicken wir unser Personal in die Weiterbildung, um auch die neuen personellen Anforderungen erfüllen zu können.

Seit 2009 sind Krankenhäuser gehalten, auch für ihre Perinatalzentren einen detaillierten Qualitätsbericht zu veröffentlichen. Der Bericht des Zentrums Nordoberpfalz unterscheidet nun aber nicht zwischen den einzelnen Häusern, an denen es ja durchaus Differenzen geben könnte.

Götz:Das soll auch nicht so sein, dass Unterschiede für Außenstehende ersichtlich sind. Wir analysieren aber intern sehr wohl gesondert und auch differenziert nach Bereichen. Etwaigen Mängeln steuern wir sofort entgegen, wir überlassen da nichts dem Zufall. Deshalb haben wir Qualitätszirkel eingerichtet, die monatliche Konferenzen abhalten, zum Teil mit modernster Medientechnik.
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