Pflege daheim oder im Heim?

Ältere Menschen brauchen oft Hilfe. Aber wie? Viele Familien stehen vor der schweren Entscheidung, ob die Senioren ambulant oder stationär betreut werden. Bild: dpa

Im Alter brauchen viele Menschen Unterstützung, weil sie sich nicht mehr alleine helfen können. Oft springen Angehörige ein. Sie pflegen die Senioren - oder bringen sie in ein Altenheim. Zwei Varianten, die Experten im Seltmann-Haus beleuchten.

Ambulant oder stationär? Das ist die Frage, die sich bei der Pflege älterer hilfebedürftiger Menschen stellt. Die Zuhörer im Maria-Seltmann-Haus hoffen am Dienstag auf Antworten. In der Reihe "Alt werden und dann?", die Seniorenbeauftragter Alfons Heidingsfelder organisiert, referieren am Dienstag Tina Hösl, die Leiterin der ambulanten Hauskrankenpflege des BRK, und Ludwig Kreutzer, Leiter des BRK-Seniorenwohn- und Pflegeheims.

Hösl gibt einen Einblick in den Bereich der ambulanten Pflege. "Das Hauptaugenmerk liegt dabei immer auf dem Leitspruch: ambulant vor stationär", erklärt die Leiterin. Der beste Pflegedienst sei immer noch die Familie, das habe auch die Politik bemerkt. Deshalb seien Politiker bemüht, pflegende Angehörige zu schützen. Sie erläuterte den Senioren die verschiedenen Neuerungen im Pflegestärkungsgesetz, welche die Betreuung von Angehörigen erleichtern sollen. Menschen mit Pflegestufe könnten Pflegesachleistungen, Betreuungs- und Entlastungsleistungen, Verhinderungspflege sowie eine Tages- und Kurzzeitpflege nutzen, die je nach Stufe unterschiedlich gefördert würden.

Eine Neuheit ist die Wahlmöglichkeit zwischen Zeit und Leistung. "Patienten können sich selber aussuchen, ob sie beispielsweise 20 Minuten bezahlen - es ist dann egal, was die Pfleger machen - oder Leistungen wie An- und Ausziehen", informiert Hösl. Die Leiterin der Hauskrankenpflege betont, dass sich die Senioren über die vielen Möglichkeiten erkundigen sollten. "Es geht so viel Geld verloren, wenn man das alles nicht nutzt", sagte sie. Viele Menschen wüssten nicht, dass Pflegehilfsmittel wie Betteinlagen oder Desinfektionsmittel jeden Monat mit 40 Euro gefördert würden, zudem habe jeder, der Pflegegeld bezieht, einen halbjährlichen Anspruch auf ein Beratungsgespräch.

Besuch jederzeit möglich

Ludwig Kreutzer erläutert Details zur Unterbringung in einem Heim. "Irgendwann kommt der Tag, an dem man es ambulant nicht mehr schafft." Dann müssten Senioren den Umzug in ein Heim erwägen. Bewohner sollten dort ihr eigenes Leben weiterführen. "Das Heim soll Heimat sein", jeder könne seine eigenen Möbel mitbringen, und es gebe keine festgeschriebenen Besuchszeiten. "Verwandte und Freunde können jederzeit vorbeikommen, es ändert sich quasi nur die Adresse", sagt Kreutzer. Alle Zimmer im BRK-Heim seien barrierefrei und ungefähr 25 Quadratmeter groß.

Immer wichtiger für den reibungslosen Ablauf in einem Seniorenheim seien engagierte Ehrenamtliche. "Ohne Freiwillige könnten wir beispielsweise unsere Feste nicht schaffen." Und davon gibt es einige im Kalenderjahr. Den Bewohnern des Heims wird ein abwechslungsreiches Programm geboten.

"All-inclusive" im Heim

Das Interesse der Zuhörer gilt vor allem den Kosten, die sich meist auf ungefähr 1400 Euro im Monat belaufen. Kreutzer beschreibt das Leistungspaket in diesem Fall allerdings als "all-inclusive": Unterbringung, Pflege, Reinigung der Zimmer und Betreuung seien damit abgedeckt. Die Wartezeit auf ein Zimmer betrage ungefähr drei Monate. Oft sei eine Unterbringung in einem Heim ein schwerer Schritt, der aber meist unumgänglich sei. Viele Senioren seien im Nachhinein froh über den Entschluss. "Die Beziehung von Bewohnern und Angehörigen verbessert sich oft merklich." Kreutzer schwört auf das "Prinzip der inneren Nähe durch äußere Distanz" - obwohl er ebenso wie Hösl die ambulante Pflege vor die stationäre stellt.
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